Auch AstraZeneca liefert deutlich weniger Impfstoff im ersten Quartal 2021

Nachdem bereits Pharmariese Pfizer ankündigte, vorübergehend weniger Biontech-Impfstoff an die EU zu liefern, hat nun auch AstraZeneca bekannt gegeben, im ersten Quartal deutlich weniger ihres Impfstoffs liefern zu können, als ursprünglich vereinbart.

Die Lieferengpässe beim Impfstoff nehmen offenbar nicht ab. Nachdem US-Konzern Pfizer, der den BionTech-Impfstoff produziert, bereits geringere Liefermengen aufgrund eines Umbaus im Produktionswerk Puurs in Belgien angekündigt hat, folgt nun AstraZeneca mit beunruhigenden Nachrichten.

So kündigte das britisch-schwedische Unternehmen AstraZeneca an, zunächst weniger Corona-Impfstoff an die EU-Staaten ausliefern zu können, als ursprünglich geplant.

Ganze 60 Prozent weniger Impfstoff als angekündigt wird laut „Tagesschau“ im ersten Quartal 2021 in der EU zur Verfügung stehen. Das gab das Unternehmen am Freitag gegenüber der EU-Kommission bekannt.

Nach bisher bekannten Informationen muss das Vakzin an die Mutationen des Sars-CoV-2-Virus angepasst werden, sodass bereits auf Vorrat produzierter Impfstoff möglicherweise nicht mehr ausgeliefert werden kann. Außerdem habe ein Brand ein Produktionswerk in Indien zerstört.

Das dort betroffene „Serum Institute of India“ ist der weltgrößte Impfmittelhersteller. Eine Milliarde Dosen des AstraZeneca-Impfstoffes sollen dort produziert werden, rund 50 Millionen Impfdosen lagern bereits als Vorrat.

Das Unternehmen betonte allerdings, das Feuer habe weder die Produktionsanlagen noch den Vorrat beschädigt.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist derzeit noch nicht in der EU zugelassen. Die Zulassung werde für nächste Woche erwartet.

EU übt massive Kritik

Die EU reagiert massiv verärgert über die Ankündigung, im ersten Quartal 60 Prozent weniger Impfstoff zu erhalten, als von AstraZeneca zugesichert. „Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides wurde deutlich: Die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten hätten tiefe Unzufriedenheit über die Verzögerungen geäußert. Man habe auf einem genauen Lieferplan bestanden, auf dessen Grundlage die Mitgliedsstaaten ihre Impfprogramme planen könnten. Die EU-Kommission werde weiter auf mehr Zuverlässigkeit bei den Lieferungen und auf eine beschleunigte Verteilung der Dosen drängen, unterstrich die EU-Gesundheitskommissarin“ laut „Tagesschau“.

Unterdessen meldete sich ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sagte dem ARD-Hauptstadtstudio: „Wir gehen weiter davon aus, dass der Impfstoff von AstraZeneca Ende kommende Woche für die EU zugelassen wird. Die EU hat viel in die Vorproduktion dieses Impfstoffes investiert. Nach der Zulassung wird klar, wie viel Impfstoff wann zusätzlich für Deutschland zur Verfügung steht.“ Über die drohenden Lieferverzögerungen verlor der Bundesgesundheitsminister kein Wort.

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AstraZeneca-Impfstoff könnte auf Dauer problematisch sein

Immunmediziner bezweifeln, dass mit AstraZeneca-Impfstoff geimpfte Personen davor geschützt sind, andere Menschen mit dem Virus anzustecken. Sowohl Tierversuche als auch Studien mit Klinikpersonal deuten darauf hin, dass bei AstraZeneca kein sogenannter Fremdschutz besteht.

Die Datenlage bei Biontech und Moderna, die sogenannte mRNA-Impfstoffe produzieren, sehe besser aus. Der MDR schreibt hierzu: „Bei den sogenannten mRNA-Impfstoffen, wie sie derzeit in Deutschland von Biontech und Moderna zugelassen sind, ist das Virus bei geimpften und später absichtlich infizierten Affen einen Tag später nicht mehr nachgewiesen worden. Ob das auch für Menschen gilt, ist allerdings nicht geklärt.

Mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpfte Affen, die man absichtlich mit Corona infiziert hat, sind zwar nicht erkrankt, doch das Virus soll für mehrere Tage im Rachen der Tiere nachweisbar gewesen sein. Das spricht dafür, dass die Tiere es hätten weitergeben können
.“

Erste EU-Länder drohen mit Klage

Nachdem bereits BioNTech/Pfizer und Moderna Lieferverzögerungen für die EU angekündigt haben, folgt mit AstraZeneca bereits der dritte Konzern. Die EU-Kommission kündigte an, sich mit Blick auf BioNTech/Pfizer, einschalten zu wollen: „Wir werden das Unternehmen um eine Klärung bitten„, sagte ein Kommissionssprecher.

Weitere Kritik an BioNTech und Pfizer kommt aus Italien und Tschechien. Die italienische Regierung droht dem Pharmariesen bereits offen mit juristischen Schritten. Wie der Corona-Beauftragte Italiens sagt, erhalte Italien in der kommenden Woche 20 Prozent weniger Impfstoff, in der vergangenen Woche lag die Lücke nach dessen Angaben bei rund 30 Prozent. Der tschechische Gesundheitsminister Jan Blatny nannte für sein Land eine Lücke von rund 15 Prozent in der vergangenen Woche und bis zu 30 Prozent in den kommenden beiden Wochen.

Italiens Premierminister Conte legt nach: „Schwere Vertragsverletzung“

Italiens Premierminister Giuseppe Conte legte am Abend noch einmal scharf nach. Auf Facebook veröffentlichte er ein Statement, in dem er „alle Rechtsinstrumente und Initiativen nutzen“ möchte, um die vertraglichen Pflichten von BioNTech-Pfizer durchzusetzen.

Conte schrieb (übersetzt aus dem italienischen): „Zuerst hat Pfizer-Biontech eine Verlangsamung der bereits geplanten Impfstoffdosen an die europäischen Länder mitgeteilt. Noch beunruhigender sind die gestrigen Nachrichten von AstraZeneca, deren Impfstoff darauf wartet, bald auch in der Europäischen Union verteilt zu werden. Wenn sich die Reduzierung der im ersten Quartal verteilenden Dosen um 60 % bestätigt, würde das bedeuten, dass in Italien 3,4 Millionen Dosen statt 8 Millionen geliefert würden.

Conte fährt mit den Worten „Das ist alles inakzeptabel“ fort und sagt, dass alle italienischen Pläne auf Basis vertraglicher Verpflichtungen der Pharmaunternehmen mit der EU ausgearbeitet worden seien.

Diese Verlangsamung der Lieferungen stellt schwere Vertragsverletzungen dar, die Italien und andere europäische Länder enorme Schäden verursachen und direkte Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger sowie unser bereits seit einem Jahr der Pandemie stark bewiesenes Wirtschafts-und Sozialgefüge haben„, so Conte weiter.

Er schließt mit den Worten: „Wir werden alle Rechtsinstrumente und Initiativen nutzen, wie wir es bereits mit Pfizer-Biontech tun, um die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen zu fordern und unsere nationale Gemeinschaft in jeder Form zu schützen„.

Israel „schwimmt“ im Impfstoff

Einzig Israel verfügt offenbar weiterhin über genug Impfstoff. Nach Berichten der Tagesschau soll dort derart viel BioNTech-Impfstoff auf Lager liegen, dass der Pendant von Moderna noch gar nicht verimpft wurde und auf „Halde“ steht.

Quelle: Tagesschau



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