CDU-Kanzlerkandidat außer Rand und Band

Die CDU hat die Bundestagswahl 2021 verloren. Rund neun Prozent weniger Wähler stimmten für die Christdemokraten, die das historisch schlechteste Wahlergebnis einfuhren. Und dennoch sieht sich Realitätsverweigerer Armin Laschet als möglicher neuer Kanzler. Ein Kommentar.

Dass eine Regierungspartei, die seit 16 Jahren (!) die Bundeskanzlerin stellte, eine derarte Wahlklatsche bekommt, gab es in den letzten Jahrzehnten selten. Sämtliche Umfragen, welchen Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin auf Angela Merkel folgen sollte, waren eindeutig „pro Olaf Scholz“. Und selbst die eigene Partei konnte mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet nichts anfangen. 

Die CDU ist nur zweitstärkste Kraft, knapp zwei Prozent hinter der SPD. Und dennoch benimmt sich der CDU-Kanzlerkandidat außer Rand und Band. 

Die Gründe hierfür sind eindeutig: Gesteht er die Wahlniederlage ein, wird er, wie alle „Verlierer“ in der CDU, rasiert und seine politische Karriere ist beendet. Einen Rückfahrschein nach NRW hat er bekanntermaßen nicht.

Aus diesem Grund prahlt der Wahlverlierer Armin Laschet, der seine Partei von gut 35 Prozent auf nun 24 eingeschrumpft hat, dass Olaf Scholz kein „König“ sei. Die Wählerinnen und Wähler der CDU würden erwarten, dass man regieren wolle. Und man stünde bereit, Jamaika umzusetzen. Schließlich habe Laschet bereits bis spät in die Nacht mit FDP-Chef Lindner gesprochen – und heute (also am Montag) werde er auch mit Grünen-Kanzlermacherin Annalena Baerbock sprechen.

Wieso sagt dem Mann niemand, dass es vorbei ist? Deutschland hat gewählt und die CDU mit der übelsten Wahlschlappe geohrfeigt, die man sich nur vorstellen kann. In der Bundestagswahl wurde die CDU massiv abgestraft, 50 Parlamentarier müssen aus den Unionsreihen den Bundestag räumen. Die Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus ging ebenfalls verloren und auch bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern steckte die CDU eine massive Niederlage ein, sodass dort der Landesvorsitzende Michael Sack seinen Posten aufgegeben hat – nicht einmal 24 Stunden nach dem Wahlergebnis. Dort erreichte die CDU sogar nur 13,3 Prozent und verlor rund sechs Prozent.

Es ist eindeutig, dass die CDU keinen Regierungsanspruch hat. Dies sollten die Realitätsverweigerer im Präsidium des Konrad-Adenauer-Hauses endlich einsehen. Der gesamte Wahlkampf von Armin Laschet war pure Verzweiflung. Wie wollte man der  Wählerschaft ernsthaft verkaufe, dass nach 32 Jahren Kanzlerschaft in den letzten 40 Jahren ein Jahrzehnt der Modernisierung durch Armin Laschet notwendig ist? Antwort: Weil man das Land in 32 Jahren Kanzlerschaft kaum entwickelt hat. Man hat die Deutsche Substanz heruntergewirtschaftet und den Status quo verwaltet. Bis heute gibt es in kaum einer Kommune oder Bundeseinrichtung eine sinnvolle Digitalinfrastruktur. Schulen & Bildungssystem sind marode. Die Coronapoltik waren die letzten Zuckungen und Machtdemonstration gegenüber dem Volk. Die Quitting kam bei der Wahl. 

Alle aktuellen Aktionen der CDU zielen nur noch darauf ab, irgendwie die Macht zu erhalten. Die Gier nach Macht hat die Partei zerfressen. Es ist an der Zeit, dass sich FDP und Grüne aufschwingen, diesem Spiel ein Ende zu bereiten und nicht auf die wirre Idee kommen, eine abgestrafte, zombiehafte und marode Partei dem Land weiter anzutun.

Einsicht ist der erste Weg zur Rehabilitation. Vier Jahre Opposition täten der Union und ihren gierigen Machtmenschen gut.

Kolumnenhinweis

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Kolumne des genannten Autors. Bei, in der der Redakteur seine Meinung äußert. Diese muss nicht mit der des Verlages übereinstimmen.





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