Scholz korrigiert einen historischen Fehler

Deutschland liefert Kriegstechnik an die Ukraine und beendet die Swift-Blockade. Die Einsicht kam spät. Sie war notwendig. Sie ist richtig. Bundeskanzler Scholz korrigiert damit einen historischen Fehler. Ein Kommentar.

Deutschland kündigte vor Wochen die Lieferung von 5000 Helmen an. Die Welt, die Ukraine, die westliche Wertegemeinschaft empfand dies als „Witz“. Doch in Deutschland feierte man sich für seinen „Wagemut“, Helme zu liefern. Verteidigungsministerin Lambrecht wertete dies als „ganz deutliches Signal“. In Richtung Ukraine sagte sie: „Wir stehen an eurer Seite“. Deutschland blamierte sich damit weltweit bis auf die Knochen. Die härteste Kritik lautete hingegen: „Lambrecht ist erste Anwärterin auf den Titel „Goldener Vollpfosten“. 

Ukrainische Ministerien bezeichneten die „deutsche Gabe“ als „Witz“. Ich persönlich fragte mich, was man mit diesen Helmen eigentlich anstellen sollte. Wenn es nicht so ernst wäre, hätte man sagen können: „Zieh den Helm auf und renn´ Kopf voraus in den Russenpanzer. VIelleicht fällt er ja auseinander, weil das Zauberhelme sind“. 

Waffen gibt´s keine. Dafür beleuchtet Nordstream2-Liebhaberin Manuela Schwesig den Landtag in Ukraine-Farben und wir wünschen viel Glück.

Es lebe die deutsche Doppelmoral. Das Herz aus Stahl. Man bestätigte wieder einmal das Vorurteil, dass Deutschland gierig und gewinnlüstern ist, wenn es sein muss, auch auf Kosten der Moral.

Stattdessen beschwörte der bedröppeln dreinschauende Bundeskanzler den Zusammenhalt des Westens. Zu dieser Zeit schüttelt bereits der gesamte Westen über die Haltung der Bundeswehr den Kopf.

Richtige Einordnung

Lassen Sie mich das ein wenig einordnen mit Blick auf die Landkarte. Die Flugzeit von Frankfurt nach Palma de Mallorca beträgt ziemlich genau 2 Stunden. Nach Lanzarote fliegt man schon 4 Stunden 20 Minuten, nahezu identisch, als wenn man nach Gran Canaria fliegt. Möchte man von Frankfurt nach nach Hurghada, dauert es rund fünfeinhalb Stunden. 

In die Ukraine, nach Kiew, dauert ein Flug von Frankfurt aus: Zirka zweieinhalb Stunden.

Wer also nun begründet, eine Waffenlieferung an die Ukraine, die Kornkammer der EU, sei Kriegstreiberei und provoziere einen „dritten Weltkrieg“, der liegt vollkommen falsch. Kriegsverbrecher Wladimir Putin hat einen Krieg angezettelt. Mitten in Europa. 

Er führte monatelang Fake-Verhandlungen, plante zu dieser Zeit jedoch bereits den Einmarsch in die Ukraine. Er nannte den Truppenaufmarsch „Übungen“ und seine jetzige Invasion nennt er „Friedensmission“. Dabei beschießt er Wohnblöcke, Heizkraftwerke, Kindergärten, Infrastruktur. 

All dies ist mit Videos von Überwachungskameras oder live-Berichten belegt.

Putins Propaganda-Maschinerie liefert bis heute keine Bilder. Sie verkünden nur Erfolge, Beweise gibt es hierfür kaum bis gar keine.

Putin brachte Krieg nach Europa. Diesem Mann darf man nicht mehr trauen, da er den gesamten Westen über Monate hinweg mit einem Lächeln im Gesicht anlog. Seine Garantien ist das Papier nicht mehr Wert, auf die sie geschrieben sind.

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Deutschland verwehrte sich bisher, da man immer noch die „Guten Geschäfte“ witterte. Moral? Pech gehabt. 

Wer eine „wertgeleitete Auspolitik“ verspricht, der muss sie auch liefern. Auch Robert Habeck bekannte, dass die Versorung mit Gas für diesen Winter gesichert sei. Also brauchen wir auch keinen Lieferstopp zu fürchten.

Es geht um sehr viel

Die Situation mit der Invasion in ein friedliches, demokratisches Land ist schon schlimm genug. Doch es ist noch viel brisanter, als der eine oder andere vielleicht erkennen mag. Es geht Kreml-Chef Putin nicht nur um die Ukraine. Dies betont er seit Wochen.

Es geht ihm um das Baltikum. Es geht um Polen. 

Selbst Russland-Versteher Orban aus Ungarn fordert endlich harte Sanktionen. All diese Länder waren uns voraus. Es hieß immer, dass die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt werden würde. Dort rüstete man eine „Armee“ mit hunderten Millionen Euro teuren Waffen aus, über 20 Jahre. Und als Sandalentragende Taliban gröhlten und auf sie zustürmten, legten sie die Waffen nieder.

Hier stürmt der hochgerüstete Russe und die Ukrainer kämpfen, von jungen Frauen bis zu alten Männern und Omas um die Freiheit ihres Landes. Diese Menschen haben Hilfe verdient.

Und wenn wir immer von „Nie wieder“ sprechen, Nie wieder Faschismus, nie wieder Terror. Dann gehört auch zur Wahrheit, dass wir es nie wieder zulassen dürfen. Und jetzt ist der Westen genau herausgefordert „NIE WIEDER“ mit Leben zu füllen.

Chance für Scholz

Olaf Scholz hat sich entschieden: Deutschland trägt nicht nur mit markigen Worten Verantwortung, sondern mit Taten. Es musste klargestellt werden, auf wessen Seite Deutschland steht. Wir stehen für Freiheit. Toleranz. Souveränität der Staaten und derer Einwohner. 

Die Lieferung von Verteidigungswaffen und das Ende der Blockade beim Swift-Ausschluss ist die Korrektur einer vollständig falschen Position. Die gesamte westliche Welt stand geschlossen wo anders. Deutschland war mit seiner Haltung isoliert. Oder anders. Wer denkt, dass Deutschland nicht ins Fadenkreuz Putins geraten würde, wenn man auf eine Waffenlieferung verzichtet, der irrt.

Niemand will Krieg. Putin hat ihn losgetreten. Jetzt gilt es für Friede zu sorgen, bevor schlimmeres passiert. Es ist an der Zeit, dass Deutschland voranschreitet. Mit Mut. Verantwortungsbewusstsein und klaren Werten. Heute wurde ein erster Schritt getan.

Gleichzeitig sollten die Kommunikationskanäle zum Kreml offen bleiben, damit man auch den Druck rauslassen kann, sollte Putin zurückziehen, was ich derzeit nicht glaube.

Kolumne / Meinung

Kolumnenhinweis

Bei diesem Text handelt es sich um eine Kolumne. Diese enthält persönliche Meinung und muss nicht die Meinung der gesamten Redaktion vertreten. Bitte machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken über das Thema und treffen Sie eigene Entscheidungen.

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  • Kolumne: Regio-Journal

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