Kolumne / Meinung

Risikomanagement für die Mülltonne

Es ist der Wahnsinn! Nachdem einige Länder beim AstraZeneca-Impfstoff in Panik verfallen, lässt sich die Bundesregierung vom „Panik-Virus“ erneut infizieren. Dies könnte verheerende Folgen haben. Ein Kommentar.

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Ich weiß nicht, wie oft ich in dieser unsäglichen Pandemie noch das Wort „Desaster“ in den Mund nehmen muss. Aber: Was derzeit mit dem deutschen Impfprogramm gegen das Corona-Virus passiert, ist nicht anders als mit dem Wort „Desaster“ zu beschreiben.

Der vollkommen ohne Not ausgerufene Stopp der Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin verpasst den Impfskeptikern einen massiven Schub und torpediert die aus unterschiedlichen Gründen bereits massiv in der Kritik stehende deutsche Impfstrategie.

Das Risikomanagement von Deutschland, aber auch den zahlreichen EU-Ländern muss kritisiert werden. Aber noch mehr muss man die Kommunikation des Risikos kritisieren.

In einem beispiellosen, unkoordinierten Vorgang stoppten Behörden verschiedener Länder die Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin. Damit haben Sie aus meiner Sicht in der Bevölkerung massive Unsicherheit geschürt.

Gerade AstraZeneca, der Impfstoff, der sehr gut wirkt, wie man anhand statistischer Daten beispielsweise aus Großbritannien, die hauptsächlich AstraZeneca verimpfen, erkennen kann, aber durch eine verheerende Einstufung der STIKO zuerst nur an Menschen unter 65 Jahren verimpfen durfte, erfährt so erneu einen Tiefschlag.

Nachdem STIKO-Chef Thomas Mertens die Kommunikation bei der Einstufung als unglücklich bezeichnet, muss man sagen: Bereits diese Einstufung war ein massiver Fehler. Sie untergrub die Akzeptanz des Impfstoffes, obwohl er durch die EMA für alle Altersklassen über 18 Jahren freigegeben wurde.

Bei den neuerlichen Thrombosefällen hingegen wartet man auf die Meinung eben jener EMA ab, ob diese den Impfstoff für sicher empfindet. Weshalb ist man nicht bereits bei der ersten Zulassung der europäischen Arzneimittelbhörde gefolgt?

Und die nächste Frage ist: Warum zum Teufel hat man die Impfung überhaupt gestoppt? Weil in Deutschland bei 1,6 Millionen Impfungen 7 Thrombosefälle aufgetreten sind? Wo man nicht einmal weiß, ob diese Fälle überhaupt in Verbindung mit einer Impfung stehen? Das macht 4 Thrombosen je 1 Million Einwohner – ein üblicher Wert. Den Pro Jahr treten in Deutschland, gemessen an 1 Million Einwohner zwischen 2 und 5 Thrombosen auf, andere Studien belegen bis zu 15 Thrombosen je Jahr und Million Einwohner.

Oder, um es noch krasser auszudrücken: AstraZeneca wurde in Großbritannien und der EU bisher rund 17 Millionen Mal verimpft. Dabei kam es zu 37 Thrombose-Fällen.

Nicht ohne Grund sagte daher auch Dirk Brockmann, Physiker am Robert-Koch-Institut, dass das Risiko, an Covid-19 zu sterben, rund 1000 Mal höher sei als eine mögliche Thrombose nach einer Impfung.

Bis Donnerstag wird sich nun entscheiden, ob die EMA weiterhin die Nutzung des AstraZeneca-Vakzins empfiehlt. Nach der heutigen Stellungnahme von EMA-Chefin Cooke ist davon bereits auszugehen.

Das Porzellan, dass die Regierungen Europas bereits kaputtgeschlagen haben, wird nicht mehr zu retten sein. Bleibt zu hoffen, dass die Menschen die Anzahl der Fälle richtig einsortieren und weiterhin dem Impfstoff ihr Vertrauen schenken. Denn er ist die Karte zurück zur Normalität.

Und für unsere Politiker gilt einmal Mehr: Sie leisteten Arbeit für die Mülltonne.

Kolumnenhinweis

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Kolumne des genannten Autors. Bei, in der der Redakteur seine Meinung äußert. Diese muss nicht mit der des Verlages übereinstimmen.





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