Aufreger des Monats

Kolumne: Hallo SR, geht es noch?

Aufreger des Monats: Ich lasse mich über Berichte des Saarländischen Rundfunks aus und sage: Hallo SR, gehts noch?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den Auftrag, „durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben“. Dies schreibt der Rundfunkstaatsvertrag in §11. Konkret: „Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen“.

Jetzt könnte man natürlich darüber streiten, wie „Unterhaltung“ und „Bildung“ sowie „Kultur“ zu deuten ist. Ob hierzu Mundartbeiträge, inhaltsloses Radiogedudel, Partei- und Landesregierungsnähe und das Umdeuten von Pressemitteilungen  zählen, darf zumindest bezweifelt oder kritisiert werden. Was der Saarländische Rundfunk, als ein mit Millionen Euro Steuergeldern subventioniertes Unternehmen immer wieder einmal abliefert, ist im Bundesvergleich aus meiner Sicht mehr als enttäuschend. Für mich bietet einzig SR2 mit seinem Kulturprogramm noch Tiefgang. Was sich jedoch im letzten Monat der „Aktuelle Bericht“ getraut hat, ist unerhört: Mehrere Minuten huldigt der öffentliche Sender dem selbsternannten Superhelden alias „Captain Maggi“, der seine neuste, glorreiche Idee vorstellte: Erdbeermarmelade mit Maggi kombiniert. Untermalt wurde das Ganze mit Bildern, in denen sich Manuel Nau, so der bürgerliche Name, die braune Brühe direkt aus der Flasche in den Mund gießt! Nun könnte man bereits ausgiebig über die Glutamat- und Salzbombe Maggi, hinter dem der Konzern Nestlé steckt, dessen Chef einmal durch die Aussage „Wasser ist kein Grundrecht“ aufgefallen ist, streiten und diskutieren. Dass man jetzt aber auch noch einen TV-Beitrag über solchen Schwachsinn machen muss, schlägt dem Fass den Boden aus. Für mich ist das ein Verdummungsprogramm für die Saarländerinnen und Saarländer. Der eigentlich wichtige Sendegrund, nämlich die Erlösspende an eine Spendenorganisation, erhielt genau zwölf Sekunden Sendezeit, die restlichen zwei Minuten waren Werbung für eine Marmeladenmanufaktur, Captain Maggi und die ungesunde Brühe von Nestlé. Achso, der Geschmack wurde auch noch gedeutet: „Bergmannsbonbon“, „leicht salzige Note wie bei einem Salzkaramell“. Zur Erinnerung: Es geht um Erdbeermarmelade mit Maggi. 

Dabei warnt das saarländische Verbraucherministerium vor zu häufigem Gebrauch der Flüssigwürze, da der enthaltene Geschmacksverstärker den Appetit anrege, der Salzgehalt zu hoch sei und dadurch Bluthochdruck entstehen könnte. Wir versuchen, allen voran meine Redakteurin, einfache, gesunde und schmackhafte Gerichte in unseren Rezepten anzubieten, der Saarländische Rundfunk propagiert stattdessen das Trinken von Maggi. Kein Wunder, dass in keinem Bundesland in Deutschland so viel dieser widerlichen Brühe verwendet wird, wie im Saarland. „Besonders Kinder sollten sich nicht an den Maggi-Geschmack gewöhnen, denn mit ihm werden später im Erwachsenenalter positive Kindheitserinnerungen verbunden”. Diesen Satz einer Ernährungsexpertin zitiert der SR selbst in einem seiner Berichte (27.09.2020), mittlerweile scheint dies jedoch vergessen. 

Da empfehle ich Ihnen doch lieber auf Youtube die ZDF BesserEsser. Dort erfahren Sie mehr. Zum SR sage ich nur:  Schäm dich dafür!





Bildquellen:

  • Kolumne: Regio-Journal

Werbung