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Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, über dts

In der Corona-Pandemie lief einiges verkehrt. Grund genug für uns, kritisch darüber zu berichten. Doch seitdem die neue Bundesregierung, federführend unter dem neuen Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Impfstoffbeschaffung zur Chefsache gemacht hat, läuft die Impfkampagne auf Hochtouren.

Bis Weihnachten wurden bundesweit 30 Millionen Booster-Impfungen vorgenommen, im Januar sollen weitere 30 Millionen Impfungen folgen.

Saarland mit guter Impfkampagne

Auch im Saarland stockten so einige Prozesse im Laufe der Pandemie und auch immer noch sind manche Entscheidungen nur schwer nachzuvollziehen.

Doch die Impfkampagne, die durch Land und Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz durchgeführt wird, sucht man bundesweit mit Ausnahme in Bremen vergebens.

Mittlerweile sind im Saarland 80% Der Bevölkerung erstgeimpft und 77,1 Prozent der Bevölkerung zweifach geimpft.

In beiden Statistiken liegt das Saarland bundesweit auf Platz zwei hinter Bremen.

Bei den Booster- oder Auffrischungsimpfungen zeichnet sich dann noch einmal ein anderes Bild: 43,4 Prozent der Bevölkerung hat sich bereits eine Auffrischimpfung abgeholt – bundesweiter Spitzenwert. Auf Platz zwei folgt: Niedersachsen mit 39,6 Prozent der Bevölkerung.

Palaver aus dem Osten und dem Süden

Besonders interessant wird der Unterschied, wenn man auf die verschiedenen Bundesländer blickt. Das selbsternannte „Team Vorsicht“, angeführt von Medien-Lautsprecher und Bayern-MP Markus Söder (CSU) und Peter Tschentscher (SPD), regierender Bürgermeister Hamburgs bekommt seine Länder nicht auf Touren, wenn es um das Thema Impfen geht.

Sind in Bayern doch erst 71,6 Prozent erstgeimpft. Auffrischungsimpfungen haben sich erst 36,2 Prozent der Bevölkerung abgeholt.

In Hamburg liegt die Erstimpfquote immerhin auf ähnlichem Niveau wie im Saarland – 79,1 Prozent sind aktuell in Hamburg erstmalig geimpft. Mit Blick auf die Auffrischungsimpfung schneidet Hamburg mit 30,8 Prozent dann am zweitschlechtesten ab. Nur Sachsen impft noch weniger Booster-Impfdosen.

Und auch da war es Team-Vorsicht-Anhänger Kretschmer, der kurz vor Weihnachten einen „Voll-Lockdown“ für das ganze Land forderte. Bei einer Erst-Impfquote von 63 Prozent – zum Vergleich: Saarland 80%, Bremen 86,8%, durchaus verständlich. Mit 28,8 Prozent Auffrischungsimpfungen liegt Sachsen damit in Allen Statistiken an letzter Stelle im Bundesvergleich. 

Saarland: Noch dominiert Delta – die Chance für alle impfwilligen

Dies sind gute Voraussetzungen, die Omnikron-Welle zumindest kleiner zu gestalten. Denn dass die 5. Welle auf Basis der Omnikron-Variante kommen wird, ist sicher. Wie heftig sie ausfällt, liegt durchaus noch in der Hand der Menschen selbst.

Die neue Mutation treibt auch die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann um: „Das ist alles andere als beruhigend“, so Bachmann. „Wir müssen noch aufmerksamer sein. Wir wollen eine schnelle Verbreitung verhindern.“

Trotz der bereits ordentlichen Impfquote – vor allem im bundesvergleich – sieht Bachmann den kommenden Wochen mit Sorge entgegen. 

Gerade mit Blick auf die Pflegeheime, in denen besonders gefährdete Gruppen aufeinander treffen, bedarf es hoher Achtsamkeit. Daher gilt in diesen Einrichtungen die strenge 2G-Plus-Regel. 

Die Lage in den saarländischen Kitas bewertet unterdessen Staatsekretär Kolling als „gut“. Es seien in rund 500 Kitas rund 100 Beschäftigte und 184 Kinder infiziert. Weitere 109 Beschäftigte seien in Quaranänte, ebenso 195 Kinder. „Das Infektionsgeschehen ist zwar hoch. Mit der Absonderungsverordnung haben wir gemeinsam mit den Landkreisen einen Rahmen geschaffen“, so Kolling.

Auch in Krankenhäusern sei die Lage „Gott sei Dank“, entspannt. 18 Prozent der Betten seien mit Corona-Patienten belegt, es gebe noch 50 freie Intensivbetten, die Auslastungsampeln stünden auf Gelb und Grün im Saarland. 

Die strengen Gegenmaßnahmen, die man ergriffen habe, wirken, so Kolling weiter. 

Mehr Kontaktnachverfolgung

Das Personal im Bereich der Kontaktnachverfolgung soll unterdessen noch einmal aufgestockt werden. Man stelle sich auf Omikron ein, so Patrik Lauer, als Präsident des Saarländischen Landkreistages. Amtshilfeanträge seien entsprechend gestellt.

Außerdem sollen noch weitere Sonderimpftermine geschaffen werden. Hier sollen besonders die Beschäftigten der kritischen Infrastruktur versorgt werden. „Wir werden das Anfang Januar erweitern, für Kassierer im Supermarkt, im Bereich der Energieversorger, der Stadtwerke“, zählte Lauer auf. „Damit Omikron das Alltagsleben nicht zum Einsturz bringt.“

Lauer geht auch davon aus, dass die Impfzentren bis – „vielleicht Frühjahr 2023“ gebraucht würden.

Keine Nachlässigkeit erlauben – Infos zu Impfdurchbrüchen

Der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr ergänzt, dass Nachlässigkeiten im Schutz fatale Folgen haben könnte. „Wir wissen, dass Omikron eine höhere Übertragbarkeit hat als Delta“. Daher rechne spätestens wenn die Kinder wieder zur Schule gingen mit höheren Fallzahlen. 

Man habe mit den Maßnahmen die Ausbreitung bremsen können, darauf dürfe man sich nicht ausruhen. Nachlässigkeit hätte fatale Folgen, so Lehr. „Auch wenn wir wenig Hospitalisierung-Fälle haben, besteht dann die Möglichkeit, dass wir sehr viele Krankheitsfälle auf einmal haben“, sagte Lehr.

Virologe Jürgen Rissland weißt darauf hin, dass die Impfkampagne im Saarland ein „Riesengroßer Erfolg“ sei. Man sei durch die hohe Impfquote glimpflich davongekommen – z.B. im Vergleich mit Bayern oder Baden-Württemberg. Man werde weiterhin jedoch mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Nur Impfungen alleine werden die nächste Welle nicht verhindern. Masken, Kontaktbeschränkungen und AHA-Regeln seien weiterhin nötig.

Auch zu den Impfdurchbrüchen im Saarland äußerte sich der Virologe. Man habe rund 5000 Impfdurchbrüche festgestellt. Man erkranke trotz Impfung. Bei jedoch mittlerweile fast 2 Millionen Impfungen entspräche dies weniger als einem Prozent der Impfungen. Rund 200 Personen mussten mit Impfdurchbrüchen stationär behandelt werden.



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