Ausblick vom Mönchbauwerk

Wenn eine Aussichtplattform in Friedrichsthal zum Politikum wird

Der Ausbau des Mönchbauwerks am Saufangweiher, der Neubau des Fußgängerstegs und die Verkehrssicherungsmaßnahmen durch den Saarforst schlagen weiterhin hohe Wellen. Mittlerweile ist das Projekt zu einem Politikum geworden. Wir sprachen mit der LIK.Nord sowie Bürgermeister Rolf Schultheis über die Baumaßnahme.

In der „Causa Saufangweiher“ entwickelt der neutrale Beobachter immer häufiger das Gefühl, dass nicht nur der sachliche Pfad verlassen wird, sondern auch unterschiedliche Maßnahmen miteinander vermischt werden, um dem Thema zusätzlich Schärfe zu verleihen.

Wir konfrontierten in unserem Gespräch beide Seiten mit den in den sozialen Medien und in politischen Presseerklärungen veröffentlichten Vorwürfen und Aussagen.

Auf unsere Frage, wie der Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90 die Grüne / Friedrichsthal, Dr. Horst Henning Jank zu seiner Aussage käme, dass sich die Kosten des Mönchausbaus von 70.000 Euro auf unerklärliche Weise auf 130.000 Euro erhöht haben, erklärte uns der Bürgermeister der Stadt Friedrichsthal, Rolf Schultheis, dass es bis zur tatsächlichen Auftragsvergabe nie eine belastbare Zahl gegeben hätte. Vielmehr habe es sich bei den genannten 70.000 – 80.000 Euro um eine frühe, lose Schätzung des Architektenbüros gehandelt. Schultheis führte weiter aus, dass die tatsächlichen Baukosten erst nach dem Ausschreibungsverfahren feststehen konnten. Beauftragt wurde übrigens ein saarländisches Unternehmen mit einem Angebots-Brutto-Endpreis von gerundeten 112.000 Euro (liegt Regio-Journal vor). Zu diesen reinen Baukosten addieren sich noch Kosten für Statiker und Architektenbüro.

So sieht der Industrie-Anbau aus:

Ähnlich verhält es sich bei den Baukosten des Steges: So gab es mehrere mögliche Varianten: Eine Vollholz-Konstruktion lag schätzungsweise bei 95.000 Euro. Die Metallversion mit einem Belag ähnlich der Bismarckbrücke (die z.B. für Tiere besser zu begehen ist) lag nach einer Schätzung bei 120.000 Euro. Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren, weswegen der tatsächliche Baupreis noch nicht feststeht.

Vermischung verschiedener Arbeiten

Uli Heintz und Rolf Schultheis wiesen darauf hin, dass die vom Saarforst durchgeführten Arbeiten nicht in Zusammenhang mit den Baumaßnahmen am „Mönch“ stehen. Vielmehr, so erklärte uns Uli Heintz vom LIK.Nord, habe der Saarforst angeboten, notwendige Verkehrssicherungsmaßnahmen, die in den Aufgabenbereich der LIK.Nord sowie dem Zweckverband Itzenplitz gefallen wären, kostenlos zu übernehmen, da Geräte und Personal vor Ort waren. Dennoch muss auch die Fällung der Weide im Schongebiet muss erwähnt werden.

Hier konkretisierte Uli Heintz:

„Hätten wir diese Weide, die genau in der Sichtachse der Aussichtsplattform gelegen war nicht gefällt, hätte man einen Schildbürgerstreich vermutet. Die so gewonnene freie Sicht auf den Weiher wird auch zukünftig erhalten bleiben, da der Schilfgürtel in der Höhe ausgewachsen ist.“

Uli Heintz

Dabei erklärte Uli Heintz, dass sich das zitierte Schongebiet als eine „angelfreie Zone“ definiert und in seiner Funktion durch das Fehlen der Pappeln nicht beeinträchtigt wird. Vielmehr würde, so Heintz weiter, der Wert durch eine noch erfolgende Ergänzungspflanzung im bislang zugänglichen Uferbereich des Dammes erhöht.

Die Baumfällungen hinter dem Mönchbauwerk seien also der Verkehrssicherungsmaßnahme des Saarforstes geschuldet und nicht dem Ausbau des Bauwerks.

Auch das Thema Lärm wurde thematisiert. Der Grundtenor ist eindeutig: Stand heute kann niemand objektiv sagen, in welche Richtung der Schallpegel verändert wird. Das nachwachsende, dichtere Unterholz sollte deutlich mehr Schall absorbieren als eine Pappel, die nur im oberen Bereich dichten Blattwuchs und somit Schallschutz bietet.

Außerdem sei die Pappel nicht Standortheimisch und wurde vermutlich aufgrund ihres schnellen Wachstums gepflanzt. Sie habe keinen Einfluss auf das Schongebiet und ist weiterhin nicht sehr haltbar, führte Uli Heintz weiter aus.

Auf die Informationspolitik angesprochen erklärte Bürgermeister Schultheis und Uli Heintz einstimmig, dass es mindestens fünf Veranstaltungen zu diesem Thema gab. Auch Vor-Ort-Besichtigungen habe es gegeben. Später wurde im städtischen Bauausschuss eine Entscheidung für den Ausbau des Mönchbauwerks sowie des Stegneubaus getroffen.

Nach Überführung in den öffentlichen Teil der Stadtratssitzung im September wurde schließlich das Vorhaben mit nur zwei Gegenstimmen (der Grünenfraktion) beschlossen. In einer weiteren öffentlichen Sitzung des LIK.Nord wurde dem Vorhaben ebenfalls zugestimmt.

Bezugnehmend auf die Vorwürfe einer Pressemeldung von Dr. Horst Henning Jank (Grüne), die LIK.Nord sei krampfhaft auf der Suche nach Projekten, mit denen sie ihre Daseinsberechtigung unter Beweis stellen könne, ärgert sich Heintz:

„Wir verstehen unsere Aufgabe nicht darin unsere Daseinsberechtigung unter Beweis zu stellen. Wir wurden auf Wunsch der Kommunen gegründet um die über Jahrzehnte entwickelte „Industrienatur“ zu erhalten und zu entwickeln.“

Uli Heintz

Auch habe man seitens der LIK.Nord nie versucht, „in unanständiger Weise Druck“, wie es in der gleichen Pressemeldung heißt, auszuüben. Die Fördermittel des Bundes waren jedoch mit dem Ausbau des Mönchbauwerks verknüpft, sodass das Gesamtprojekt nur in Kombination realisiert werden konnte. Es hätte der Mehrheit des Rates freigestanden, auf diese Förderung zu verzichten.

Heintz abschließend:

„Bereits im Frühjahr wird man erkennen, wie sich die Natur das Gebiet zurücknimmt. Anstatt künstlich gepflanzter Pappeln wird zukünftig echte, gewachsene Natur zu sehen sein.“

Uli Heintz

Mittlerweile ist der Ausbau des Mönchbauwerks bereits fertiggestellt. In einem späteren Schritt werden Informationstafeln angebracht.

Der Saarforst wird den Weg wieder begehbar machen, wurde uns von Uli Heintz bestätigt.

Wir waren bereits vor einigen Tagen auf dem Mönchbauwerk und konnten zahlreiche Bilder von der Natur, aber auch den nun abgeholzten Bereichen machen.

Bildquellen:

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Regio-Journal

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