Urlaubs-Irrsinn der Bundesregierung

Der Herausgeber des Regio-Journals über Themen, die ihn bewegen.
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Dieser Fehlschlag kam auf Ansage! So langsam stellt sich zurecht die Frage, ob die Bundesregierung dem Corona-Wahn verfallen ist. Statt einer vernünftigen Lösung zu der berechtigten Reiserückkehrer-Thematik, spaltet man das Land und hetzt „Urlauber“ und „Zuhausebleiber“ gegeneinander auf.

Das Robert-Koch-Institut führt seit Wochen eine Dokumentation darüber, aus welchem Land die meisten Covid-19-Infizierten zurückkehren.

Im letzten, sogenannten „Covid-19-Lagebericht“ vom 25.08.2020 (Quelle) werden die „15 am häufigsten genannten Infektionsländer der übermittelten COVID-19-Fälle“ der Kalenderwochen 31 bis 34 genannt.

Darin liegt mit massivem Abstand Deutschland auf Platz 1, gefolgt vom Kosovo, Kroatien, Türkei, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, und Spanien.

Um es zu verdeutlichen, sollten Sie sich diese Tabelle anschauen:

Tabelle aus RKI-Bulletin

Während sich zwischen KW 31 und 34 in Deutschland 9891 Menschen infiziert haben, vermutlich hauptsächlich bei privaten Familienfeiern, wie mittlerweile häufig genannt wurde, infizierten sich im Kosovo, vermutlich bei „Familienreisen“ in der gleichen Zeit 2528 Personen, 1797 Kroatien-Rückkehrer, 1590 Türkei-Rückkehrer, 528 Rückkehrer aus Bosnien, 492 haben sich (vermutlich) in Bulgarien infiziert und 478 in Spanien.

Interpretieren Sie diese Zahlen nun nicht falsch: Natürlich steigen durch den Reiseverkehr und der damit verbundenen Testverpflichtung die positiven Ergebnisse an – bei gleichzeitiger Reduzierung der Dunkelziffer.

Dennoch hatte die Bundesregierung in Bezug auf den Reiseverkehr erst einmal eine Aufgabe: Sicherstellen, dass die Menschen konsequent über Risiken aufgeklärt und ebenso konsequent getestet werden.

Was kam dabei raus? Eine großangelegte Testung der Flugzeug-Gäste, eine Vernachlässigung der Bus-, Bahn- und PKW-Reisenden.

Man verunglimpft mittlerweile „Risikogebiet-Urlauber“, verleugnet aber die Tatsache, dass ein großer Teil der „Lieblingsurlaubsgebiete“ der Deutschen zu Risikogebieten erklärt wurden.

Doch statt genau diese anständige Information und flächendeckende Testung vorzunehmen, stigmatisierte man die „Urlauber“ zu Corona-Schleudern. Plötzlich war jeder Erholungsurlauber ein „Partygänger“ und nahezu täglich kam irgendein Politiker, egal wie wichtig oder unwichtig er sein mag, ein penetranter Nörgler, der jedem Urlauber den wohlverdienten Erholungstag versauen wollte.

Gleichzeitig wiegelten eben jene Politiker die Menschen untereinander auf: „Wie verantwortungslos bist du, jetzt in Urlaub zu fahren?“ und so weiter … Aber damit noch nicht genug: Mittlerweile ist das RKI und das Auswärtige Amt gefühlt der „Henker“ der Urlaubsländer. Man senkt oder hebt wie einst Cäsar den Daumen und richtet darüber, ob Urlauber problemlos reisen oder eben nur mit schweren Hindernissen in den Urlaub dürfen. Diese Gutsherrenart bemerken auch unsere EU-Partner. Als Luxemburg beispielsweise zum Risikogebiet erklärt wurde, reagierte der Grenznachbar ziemlich verschnupft. Belgien beispielsweise hat mittlerweile auch reagiert und einige deutschen Gebiete, beispielsweise Hamburg und Düsseldorf zur „orangenen Zone“ mit „Empfehlung einer 14-tägigen Quarantäne“ erklärt. Finnland beispielsweise hat aktuell ein Verbot für Deutsche ausgesprochen, die nach Finnland einreisen wollen – oder eine vierzehntätige Quarantäne vorab in Kauf nehmen. Irland hat eine 14-tägige Quarantäne nach Einreise gegen Deutsche Bürger verhängt. Für Deutsche, die nach Island reisen, steht zuerst ein Covid-19-Test an, ein zweiter folgt fünf Tage später. In der Zwischenzeit gilt Quarantäne.

Doch zurück zum Testwahnsinn der Bundesregierung: Brachte Gesundheitsminister Spahn erst einmal die Testpflicht ins Rollen, um die Zwangsquarantäne zu vermeiden, stellte sich schnell raus, dass die Labore mit der Masse an Tests überfordert waren. Und die auf dem Landweg eingereisten wurden weiterhin kaum kontrolliert.

Die Menschen, die direkt nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug getestet wurden, wurden falsch getestet: Eine etwaige Infektion kurz vor Heimreise war zu frisch, um sie per Test zu erkennen. Teilweise haben die Bundesländer dann selbst nachgeschärft und zeitversetzte Tests eingeführt.

Das Testchaos war perfekt.

Doch jetzt kommt die neue Lösung: Bald, vermutlich nach Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg, müssen ALLE Risikogebiet-Rückkehrer erst einmal in Zwangsquarantäne und können sich frühstens nach fünf Tagen testen lassen.

Zum einen gibt die Bundesregierung damit zu, dass ihre Teststrategie für Urlauber bisher ein Reinfall war. Wie diese Masse an Menschen kontrolliert werden soll, ist weiterhin unklar.

Eventuell schafft es der Bund ja, den Papier-Block-Stift-Testwahnsinn (an dem übrigens auch Markus Söder in Bayern gescheitert ist), bis zum nächsten Schwung Urlauber vernünftig zu digitalisieren.

Bis dahin vermiest die Bundesregierung mit ihrem krankhaften Aktionismus nicht nur tausenden Menschen ihren wohlverdienten Urlaub, mit dem sie auch ein vor dem Kollaps stehenden Wirtschaftszweig unterstützen, sondern die Regierung selbst treibt die seit Monaten gebeutelte Reise-Branche vollends in den Ruin – um sie dann wieder mit Steuergeld zu retten.

Bis dahin bringen vermutlich die Covid-19-Tests der Reiserückkehrer wieder Geld in die Kasse, denn dort wird ja kein Steuergeld verschwendet. Das hat man bereits im Saarland in Millionenhöhe für „kostenlose Papiermasken“ bei Einführung der Maskenpflicht verbraten.

In diesem Sinne, liebe Bundesregierung: Holt einmal tief Luft. Urlauber sind keine Terroristen. Urlauber sind keine Unmenschen. Und Urlauber sind nicht alle pauschale Party- und Corona-Schweine.