Umweltschützer kritisieren Kunstrasen auf EM-Fanmeile in Berlin

Die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin soll zur kommenden Fußballeuropameisterschaft mit 24.000 Quadratmeter Kunstrasen ausgelegt werden - Umweltschutzverbände warnen nun vor möglichen Schäden für Natur und Mensch. "Es ist absurd, dass nur für den Werbeeffekt dieses völlig überflüssige Produkt verwendet werden soll", sagte Janine Korduan, Referentin für Kreislaufwirtschaft beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, dem "Spiegel".

Die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor in Berlin soll zur kommenden Fußballeuropameisterschaft mit 24.000 Quadratmeter Kunstrasen ausgelegt werden – Umweltschutzverbände warnen nun vor möglichen Schäden für Natur und Mensch.

„Es ist absurd, dass nur für den Werbeeffekt dieses völlig überflüssige Produkt verwendet werden soll“, sagte Janine Korduan, Referentin für Kreislaufwirtschaft beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, dem „Spiegel“. „Die Halme werden einige Tonnen Mikro- und Nanoplastik emittieren, eine ökologische Katastrophe.“

An 31 Tagen, vom 14. Juni bis zum 14. Juli, werden Fußballfans am Brandenburger Tor die Spiele der EM verfolgen können. Als Blickfang soll dort vor einem etwa zehnfach vergrößerten Fußballtor die Straße des 17. Juni mit Kunstrasen für rund 1,2 Millionen Euro begrünt werden. Korduan fürchtet, dass der Abrieb der aus Plastik gefertigten Halme in den Parks und im Abwasser landen und über die Spree bis in die Meere gelangen könnte. Auch die menschliche Gesundheit sei gefährdet, etwa wenn das Nanoplastik und die zugesetzten Chemikalien in die Lungen der Besucher gerieten.

Der Faserabrieb von Kunstrasen ist von Sportplätzen bekannt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass abhängig von Rasentyp und Alter des Plastiks allein die Halme eines solchen Rasens „etwa 50 Kilogramm bis zu über eine Tonne Abrieb“ pro Jahr und Fußballplatz verursachen, berichtet Jürgen Bertling vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik. Mit dem in Kunstrasen häufig als Füllmaterial verwendeten Gummigranulat steige die Belastung, darauf sollte verzichtet werden, der Rasen nach der EM besser wiederverwendet statt recycelt werden, so Bertling.

Der Veranstalter, die Kulturprojekte Berlin GmbH, sieht keine Probleme. Der Kunstrasen sei „klimaneutral“ hergestellt und „100 Prozent recyclingfähig“, heißt es. Als Füllmaterial würde Quarzsand verwendet, dadurch sei zumindest „die Hauptquelle von Mikroplastikemissionen beseitigt“. Ein Naturrasen sei nicht infrage gekommen. Er hätte bewässert werden müssen. Nach Abschluss der Europameisterschaft solle der Kunstrasen auf Bolzplätzen in Berlin weiterverwendet werden.




Das könnte Ihnen auch gefallen:

Werbung