Online-Erfolg – Karriere machen in der virtuellen Welt

Der Bildschirm dominiert den Alltag auch in Deutschland. Ob auf dem Handy, Laptop oder PC: Die Bewohner der Bundesrepublik verbringen im Schnitt pro Tag rund 5 Stunden und 22 Minuten im Internet.

Das Handy wird davon für 2 Stunden und 14 Minuten benutzt. Chatten, shoppen, Nachrichten lesen, Emails schreiben, Streamen und Spielen – alles ist möglich auf den kleinen Rundumtalenten, die zudem überall weltweite Vernetzung erlauben. Kein Wunder also, dass das Internet eine immer größere Rolle im täglichen Leben spielt.

Das gilt auch für die Berufswelt. Der Online-Bereich hat nicht zuletzt durch soziale Medien neue Karrieremöglichkeiten eröffnet, die vorher undenkbar waren – vor allem für Nebenjobs für Studenten oder Freiberufler. Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien und der dort immer wichtiger werdenden Werbung kann zu lukrativen Tätigkeiten als Social Media Manager oder Virtueller Assistent führen. Personal Trainer, die sonst teuer im Fitnessstudio zu buchen oder ins eigene Heim zu holen waren, können dank Zoom und anderen neuen Tools Kunden über Bildschirm und Audio in Form bringen, ohne dass die Qualität leiden muss. Unterrichtsstunden via Internet können zudem von privaten Tutoren in allen möglichen Fächern angeboten werden, egal, wie weit die physische Entfernung zwischen Schüler und Lehrer ist.

Je mehr gebrowst und gelesen wird, desto mehr gut geschriebene Texte für Blogs, Werbekampagnen und Kundenmagazine werden gebraucht. Das bedeutet eine Vielzahl an Möglichkeiten für gute Autoren. Was einst im Schreibbüro stattgefunden hat, nämlich die Transkription von diktierten Texten, wird heute ebenfalls häufig im Internet an Freiberufler abgegeben, die bei entsprechendem Tempo einen beachtlichen Stundenlohn kassieren können.

Grafikdesigner, die etwa Logos oder Buchcover entwerfen, finden ebenfalls etliche Jobbörsen, die sich auf ihre Talente spezialisiert haben.

Am lukrativsten sind allerdings auch online immer noch Tätigkeiten, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erfordern. Der muss zwar erst einmal geschaffen werden, aber heutzutage genügen häufig ein paar virale Videos auf TikTok, Instagram, YouTube und anderen Kanälen, um eine große Followerzahl zu erreichen. Die wiederum macht den kommenden Medienstar interessant für Sponsoren, selbst wenn der Nachname nicht Kardashian lautet und für eine beiläufige Werbung als Influencer keine sechs- oder siebenstelligen Summen eingestrichen werden können.

Wer im Internet reich und berühmt (oder zumindest wohlhabend und bekannt) werden will, sollte sich auf seine Talente und Vorlieben konzentrieren. Die in Großbritannien als leidenschaftliche Sauberfrau dank ihrer Putzclips und Tricks bekannt gewordene Mrs. Hinch hat mittlerweile lukrative Buchverträge sowie eine eigene Produktlinie in den Supermärkten, und mit ihren Empfehlungen für Staubsauger und Putzmittel werden selbst große Werbekampagnen gemacht.

Reich und dabei in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt werden kann man in der Gamingwelt, wenn denn Talent, Ausdauer und Lernwilligkeit genügen. Der damals erst 22 Jahre alte Student Pius Heinz, der 2011 als erster Deutscher bei der World Series of Poker in Las Vegas den Weltmeistertitel und einen Topf in Höhe von 8,7 Millionen Dollar holte, hatte das mathematisch anspruchsvolle Kartenspiel beim Online Poker mit Echtgeld gelernt. Von kleinen Turnieren im Internet bis zum wichtigsten Live-Event der Pokerszene brauchte er vier Jahre, weil er sich schließlich erst als Volljähriger online zum Zocken anmelden durfte.

Während die meisten virtuellen Spieler auf der Straße nicht erkannt werden, weil sie hinter Avataren stecken, lässt sich als Streamer mit einem erfolgreichen Kanal neben einem beachtlichen Einkommen auch ein großer Bekanntheitsgrad erreichen. Um auf Twitch oder YouTube zum Star zu werden, gehört allerdings außer einem einprägsamen, massentauglichen Subjekt auch der persönliche Stil, der die Zuhörer zum Mitchatten und Kommentieren bringt und aus Zuschauern echte Fans macht.

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Quelle: Unsplash.com

Der erfolgreichste deutsche Streamer auf Twitch ist seit mehreren Jahren der Norddeutsche Montana Black (mit bürgerlichem Namen heißt er Marcel Eris). Vor allem sein offenes Bekenntnis zu einer von Drogen und Kleinkriminalität geprägten Vergangenheit haben ihn auch außerhalb der Gamer Welt bekannt gemacht. Seit 2013 ist er auf Twitch mit wechselnden Videospielen und Chats aktiv. Zurzeit unterhält er seine Fans mit live kommentierten Vorführungen von “Call of Duty: Warzone”, “Grand Theft Auto V” und mit seinem Talk “Just Chatting”, in denen er sich mit seinen Zuschauern über alle möglichen Themen unterhält. Allein von August 2019 bis Oktober 2021 wird sein Twitch-Einkommen auf mehr als 2,1 Millionen Euro geschätzt. Außer seiner Bandbreite zeigt er dabei auch eine selten nachlassende Präsenz. Im Jahr 2021 kam Montana Black auf 1209 Streaming-Stunden. Ein Vollzeitarbeiter in einem normalen Arbeitnehmerverhältnis leistete in der Zeit im Schnitt nur 471 Stunden mehr, wobei beim Stream König Black die Vorbereitungszeit nicht mitgezählt wurde.

Noch mehr streamte im vergangenen Jahr Maximilian Stemmler alias Trymacs. Er kam mit “Just Chatting”, Special Events und Live-Demonstrationen in “Clash Royale” auf 2052 gestreamte Stunden. Bei den Einnahmen von August 2019 bis Oktober 2021 lag er zwar fast eine Million Euro hinter Montana Black, aber mit 1,142 Millionen Euro konnte auch er sich nicht beschweren.

Ähnlich viel Zeit mit fast den gleichen Einnahmen hat auch Kevin Teller alias Papaplatte verzeichnet. Obwohl sein Twitch-Profil die Warnung enthält, “Wer hier sein Geld lässt, ist einfach nur dämlich” und er sich als dümmsten Streamer auf ganz Twitch bezeichnet, lieben seine Fans seine Chat-Show, seine Vorführungen in “Minecraft”, und alles, was er sonst im Angebot hat.

Auf dem Weg zur Legende zumindest in Deutschland ist “League of Legends”-Streamer Frederick Hinteregger alias NoWay4U_Sir. Er spielt für das E-Sports-Team No Need Orga und hat es zwar noch nicht zum Twitch-Millionär, aber zu einem der erfolgreichsten Streamer hierzulande gebracht.

Knossi alias Jens Knossalla, der selbst ernannte König des Internets, ist den meisten Zuschauern auch vom Fernsehen her bekannt. Vom Angelcamp bis zum Pokerevent und Promi Big Brother hat Knossi sich schon an diversen Shows versucht, die ihn unter anderem zum Twitch-Millionär gemacht haben.

Doch auch ohne Mutterwitz und große Klappe kann Gamingtalent großes Geld bedeuten. Die meisten Stars der E-Sport-Szene haben es dank der Weltmeisterschaften in “Dota 2” in die Ränge der Reichen geschafft. Das vielschichtige, in Echtzeit ablaufende Multiplayer-Strategiespiel ist das höchst dotierte E-Sports-Game der Welt. Bei “The International”, dem Saisonfinale, geht es mittlerweile um rund 40 Millionen Dollar. Erfolgreichster deutscher “Dota 2”-Spieler ist Euro “KuroKy” Takhasomi, der 2017 mit dem Team Liquid den Titel und fast 11 Millionen Dollar an Siegesprämie holte. Zwar musste das Geld geteilt werden, aber zum mehrfachen Millionär reichte es immer noch für alle Teammitglieder.

Obwohl die Chancen auf derartige Erfolge gering sind, hat das Internet so manche einträgliche Karriere ermöglicht, auch außerhalb der Gamingbranche. Zu den erfolgreichsten YouTubern aus Deutschland gehören unter anderem die Yogalehrerin Mady Morrison und ein Schulleiter, der als “Lehrerschmidt” seit 2016 Videos zu Themen wie Physik, Mathematik und Deutsch veröffentlicht. Auch private Online-Zeit lässt sich bei einem derartigen Angebot nützlich und lehrreich verbringen, ob es nun um die Karriere geht oder nicht. 



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