Kolumne / Meinung

Kommentar: Unflätiger Kandidat!

Armin Laschet zeigte sich im Hintergrund der Ansprache von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier mit seine Entourage lachend – mitten im Katastrophengebiet Rhein-Erft-Kreis. Es ist mehr als ein Fauxpas, daher fordern wir Konsequenzen!

Bilder sagen mehr als Worte. Erinnern wir uns an Gerhard Schröder, der mit Gummistiefel durch das Elbe-Hochwasser 2002 stapfte und ab diesem Tag Prozent um Prozent in der Gunst der Wählerinnen und Wähler stieg. Am Ende galt jenes durch das Krisengebiet laufen als Hauptgrund seines Wahlsiegs.

Wie jeder weiß, befinden wir uns im Wahlkampf. Olaf Scholz (SPD) besuchte Krisengebiete und am 17. Juni auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie Armin Laschet (CDU). Laschet trat als amtierender Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der CDU in Erftstadt (NRW) auf. Quasi ein Heimspiel.

Doch die Bilder, die er produzierte, waren abstoßend. Während Steinmeier im Staatsoberhaupt-Modus die richtigen Worte sucht, findet und sie glaubhaft rüberbringt, steht Laschet samt Entourage nur wenige Meter hinter ihm, minutenlang gackernd und lachend im Bild. Live gesendet von Phoenix und der Welt.

Worüber Laschet und sein Gefolge lacht, ist nicht bekannt. Am Ende ist dies auch egal. Die Bilder, inmitten einer unwirklichen Situation, in der Menschen ihr Leben ließen, ihre Existenz verloren haben, sprechen für sich. Der NRW-Ministerpräsident ist sichtlich erfreut – worüber auch immer.

Es gibt in dieser Situation weder etwas zu lachen, zu feixen oder zu feiern. Es gibt nur etwas zu trauern. Für keine andere Reaktion ist an diesem Ort im Moment Platz. Die Aufgabe eines Staatsmannes ist es, in solchen Situation Trost zu spenden und Mut zu machen. Ob als Ministerpräsident oder als Bundeskanzler.

Und die Bilder zeigten uns: Laschet ist kein Staatsmann. Laschet ist takt- und empathielos auf den Gefühlen tausender Menschen rumgetrampelt. Und ehrlich gesagt: Wenn ein Kanzlerkandidat und Ministerpräsident so wenig Empathie für eine Katastrophensituation entgegenbringen kann, ist er nicht der geeignete für diesen Posten.

Aber Medien kann er, denn: Nur wenige Minuten nach seinem “Lachsack-Anfall” tritt der NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat dann vor die Kamera. Betroffener Blick, zieht Vergleiche zu anderen Jahrhunderthochwasserereignissen. Laschet, der Medienmann.

Bei Merkel undenkbar

Menschen schimpfen über die stoische Art einer Angela Merkel. Aber können Sie sich vorstellen, dass die deutsche Bundeskanzlerin lachend in einer solchen Situation aufgetaucht wäre? So einen Fauxpas hat sich die Kanzlerin in 16 Jahren Regentschaft nie erlaubt.

Armin Laschet ist und bleibt ein Politiker ohne Format. Dieser Mann ist so vielsagend und belebend wie ein nasses Taschentuch auf dem Boden.

(ab ca. 2:30 Min beginnend)
Die Berichterstattung über den Vorfall

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Wer Bundeskanzlerin Angela Merkel langweilig, träge und fad fand, bekommt mit Armin Laschet eine Steigerung. Mit einem großen Unterschied: Angela Merkel war eine Staatsfrau, die sich auch gegen Putin und Erdogan durchsetzen kann und konnte. Merkel konnte das große Parkett. Kann auch Parkett, jedoch höchstens drauf liegend, als Bettvorleger.

Übrigens: Im Video sieht man auch den Regierungssprecher von NRW, mit versteinerter Miene, direkt hinter seinem Chef stehen. Er wusste zu diesem Zeitpunkt wohl um die Wirkung der Bilder. Die Entschuldigung Laschets kam schnell und war drittklassig: „Ich danke dem Bundespräsidenten für seinen Besuch. Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben. Umso mehr bedaure ich den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden ist. Dies war unpassend und es tut mir leid.“

Laschet tut es leid, dass der Eindruck entstanden ist? Was ein elendiges Geschwurbel. Nicht einmal seine Entschuldigung hat Format.

Wie Instinktlos kann ein Politiker eigentlich noch werden, wenn er mitten im einem Katstrophengebiet steht, das Elend mit eigenen Augen sieht und dann lachend hinter dem Bundespräsidenten rumfeixt?

Niemand will einen Lachsack, der sich inmitten von Krisengebieten kringelt, als Kanzlerkandidat.

Auch Steinmeier lacht

Die Szene im Video, ab Minute 9:00 ca.:

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Doch damit noch nicht genug! Während sich die Medienwelt größtenteils auf Armin Laschet konzentrierte, tauchte das Video von Phoenix auf. Dort wird auch Frank Walter Steinmeier lachend gezeigt. Er steht nahezu auf der identischen Position wie Laschet zuvor, auch er bricht in Gelächter aus. Dieses Mal im Vordergrund am Sprechen: Armin Laschet.

Auch dies ist vollkommen unangebracht, unwürdig. Worüber gelacht wird, ist auch hier unklar. Dass der Bundespräsident jedoch lachend im Krisengebiet steht, ist nicht weniger schlimm, als wenn es Armin Laschet wäre.

Mit diesem Fauxpas wird es für eine zweite Amtszeit knapp.

Und es zeigt, wie weit die Politik in ihren goldenen Häusern vom Bürger weggerückt ist. Es ist unwürdig. Abscheulich und abstoßend, was sich zwei deutsche Spitzenpolitiker hier erlaubt haben.

Danken Sie ab und verzichten Sie auf ihre Bezüge. Danke.

Kolumnenhinweis

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Kolumne des genannten Autors. Bei, in der der Redakteur seine Meinung äußert. Diese muss nicht mit der des Verlages übereinstimmen.





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