Weißrussische Olympia-Athletin wurde vor Flucht bedroht

Die Olympia-Athletin Kristina Timanowskaja ist nach eigenen Angaben vor ihrer Flucht bedroht worden.

Der Trainer und die Mitglieder des Nationalen Olympischen Komitees hätten sie zunächst in ihrem Hotel zur Heimreise gedrängt. „Sie haben gesagt, wenn ich aufstehe und abhaue, dann erwarten mich ernsthafte Konsequenzen“, sagte Timanowskaja der „Welt“ und den Partnerzeitungen „Gazeta Wyborcza“ und „El Pais“ (Freitagausgaben).

„Später kam ein Psychologe zu mir, ein Mann, der versuchte, mich unter Druck zu setzen und der mir Angst machte“, sagte die Sprinterin. „Er sagte mir mehrfach, dass ich Probleme mit meinem Kopf hätte und fing an, unverständliche Dinge über manische Zustände zu erzählen. Er erklärte, dass Personen, die in so einem Zustand sind wie ich sind, sich das Leben nehmen“. Zur selben Zeit hätten weißrussische Fernsehsender begonnen, über die Situation zu berichten.

„Ich habe von meinen Eltern erfahren, dass im Staatsfernsehen Material über mich gezeigt wurde, in dem ich als gestörte Persönlichkeit in schlechter psychischer Verfassung dargestellt wurde“, sagte Timanowskaja. Sie selbst habe befürchtet, bei einer Rückkehr nach Weißrussland ins Gefängnis oder in die Psychiatrie zu kommen. Timanowskaja äußerte sich auch zu den Gründen ihres Handelns: „In mir ist etwas zerbrochen. Ich habe gespürt, dass sie keinen Respekt vor der Sportlern haben, vor meiner Arbeit und der Anstrengung, die ich in den Sport stecke und die sich zeigt, indem ich unser Land vertrete“, sagte die Sprinterin.

Sie sei kein politischer Mensch, aber habe immer ihre Gedanken und ihre Gefühle offen zum Ausdruck gebracht. Die 200-Meter-Läuferin hatte sich geweigert in einer anderen Disziplin anzutreten und öffentlich Kritik an den weißrussischen Funktionären geübt, woraufhin sie in ihr Heimatland geflogen werden sollte. Am Flughafen hatte sie sich in Gewahrsam der japanischen Polizei geflüchtet. Sie hatte daraufhin in der polnischen Botschaft Asyl beantragt und war über Wien nach Warschau gereist.

Zuletzt war das weißrussische Regime rücksichtslos gegen Oppositionelle vorgegangen.





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