Silvester- und Neujahrsbräuche aus aller Welt

Silvester- und Neujahrsbräuche sind so alt wie die Menschheit, denn immer schon wollten die Menschen mit Orakeln, Sterndeutung, Kaffeesatzlesen, Knochenwürfeln und anderen mehr oder weniger glaubhaften Mitteln die Zukunft vorhersagen und –sehen und im besten Fall auch noch beeinflussen.

Dies lassen wir einfach einmal so stehen und sehen uns verschiedene heimische und europäische Gebräuche an.

In Deutschland werden viele verschiedene Gebräuche gepflegt. An Silvester wird Karpfen gegessen, eine Schuppe von diesem in der Jackentasche oder der Geldbörse soll für das kommende Jahr reichen Geldsegen versprechen. Es wird Sauerkraut gegessen, Geflügel sollte man – außer im Rheinland- zum Jahresende meiden, da sonst das Glück unter Umständen Flügel bekommt und anderswohin fliegen könnte. Bei Feuerzangenbowle, Fondue oder Raclette wird mit Familie oder Freunden ein gemütlicher Abend verbracht. Sektkorken knallen von Hamburg bis München. Es wird Blei gegossen und aus den entstandenen Formen die Zukunft gedeutet. Das Silvesterfeuerwerk, das wohl ursprünglich die bösen Geister vertreiben sollte, begrüsst heute bunt und laut das neue Jahr.

Schauen wir ins europäische Ausland. Ganz Österreich wiegt sich nach Mitternacht zum Donauwalzer im Walzerschritt, Diskotheken eingeschlossen, während die Spanier zu jedem Glockenschlag eine Weintraube essen und sich dabei etwas wünschen. Dies kann schon einmal in Stress ausarten, denn man darf die Wünsche nicht doppelt äussern, sonst werden sie wirkungslos und schnell kauen und schlucken muss man noch obendrein.

Gemütlicher gehen es da die Franzosen an. Wie könnte es anders sein? Sie genießen den Abend eher entspannt bei einem stilvollen, reichhaltigen Festessen mit Gänseleber, Austern und Champagner. Um Mitternacht werden dann mit Küsschen-Küsschen die Neujahrswünsche weitergegeben. In Polen streuen sich unverheiratete Frauen Mohn in die Schuhe, je mehr desto besser. Denn jedes Mohnkorn symbolisiert einen potentiellen Verehrer. Deshalb sollte man zur Sicherheit die Schuhe eine Nummer größer wählen, um genug Auswahl zu haben.

Italien trägt rot, nein es wird an Silvester nicht kommunistisch, sondern steht ganz im Zeichen der Liebe. Rote Unterwäsche ist angesagt und hat sich etabliert.

Die Dänen geniessen zuerst ihren Aquavit um dann um Mitternacht auf die Stühle zu steigen und ins neue Jahr zu springen. Je nach Alkoholgenuss berichten die Krankenhäuser in den folgenden Tagen von Überbelegungen. In Schottland muss man flink sein, die Türschwelle nach Mitternacht in Windeseile überqueren und dabei Geschenke mitbringen. Nur so ist das Glück im Neuen Jahr dem Wohnungsinhaber hold.

Die Bulgaren halten es da eher mit dem Schlagen nach dem Motto: hart aber herzlich! Mit geschmückten Ruten aus Kornellkirsche ziehen die Kinder von Haus zu Haus und schlagen den Bewohnern damit gegen ein kleines Entgelt auf den Rücken. Das Essen von Linsen soll in einigen Ländern stets für gefüllte Geldbeutel sorgen, während die Griechen lieber in den Kasinos und zu Hause zocken, um ihre Börsen zu füllen.

Diese Aufzählung könnte man sicher noch fortsetzen, denn um das Glück auf seine Seite zu bringen, versuchen die Menschen von jeher, das Schicksal zu bestechen wenn nicht sogar abzuändern.

Allein der Glaube daran kann schon Berge versetzen und deshalb werden diese Gebräuche alljährlich gepflegt. Ob man nun daran glaubt oder nicht, sei dahingestellt. Hauptsache das Neue Jahr beginnt ohne Zwischenfälle und man hat bei all diesen Gebrächen Spass.

Also dann: Frisch auf ans Weintrauben essen, dabei rote Unterwäsche tragen, den Mohn in den Schuhen nicht vergessen, Bleifiguren richtig deuten, den Rücken zum Schlagen hinhalten, vorher aber ausgiebig schlemmen, mit Aquavit die Verdauung anregen, um dann nach dem Sprung vom Stuhl das Feuerwerk abzubrennen und dabei Champagner trinkend Walzer tanzen.

In diesem Sinne : Prosit Neujahr !

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