Saarland: Bald Lockerungen für Menschen mit dritter Impfung?

Der saarländische Ministerpräsident hat Lockerungen der aktuell sehr rigorosen Corona-Maßnahmen für dreifach geimpfte Personen in Aussicht gestellt. Gleichzeitig verteidigte der Saar-MP das strenge Vorgehen und schließt weitere Verschärfungen nicht aus.

Aktuell überschlagen sich bundesweit die Ereignisse. Täglich melden sich Politiker mit strengeren, aber auch mit gelockerten Maßnahmen zu Wort.

Jetzt äußerte sich auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) im SZ-Redaktionsgespräch über die aktuellen Einschränkungen für Bürgerinnen und Bürger.

Hans verteidigte das Vorgehen und die Verschärfung der Maßnahmen, die stärker ungeimpfte Menschen, aber auch zweifach geimpfte treffen. Aufgrund der aktuellen Lage seien diese Maßnahmen nötig. Er sei zuversichtlich, mit ihnen die aktuelle Welle zu brechen und einen nationalen Lockdown zu vermeiden.

Dies bestätigte auch die Homburger Direktorin des Instituts für Virologie, Prof. Sigrun Smola. Das Saarland „sei auf dem richtigen Weg“. Man müssen nun das beschlossene konsequent umsetzen.

Lockerungen für dreifach-geimpfte Menschen?

Unterdessen kündigte der Ministerpräsident im SZ-Gespräch an, Lockerungen für Menschen mit Auffrischimpfung umzusetzen. „Es ist auch der richtige Weg, dass Menschen mit Auffrischungs-Impfungen künftig bei 2G-Plus von der Testpflicht ausgenommen werden. Wir werden uns dazu mit den Experten austauschen. Im Ministerrat am kommenden Dienstag werden wir darüber beraten“, so der Saar-MP.

Diese Praxis setzen bereits mehrere Bundesländer in dieser Art um. Neben Rheinland-Pfalz hat auch Niedersachsen und Baden-Württemberg eine solche Regelung geschaffen. In Mecklenburg-Vorpommern könnte er ebenfalls zeitnah umgesetzt werden.

Hans ruft erneut zum Impfen auf

Unterdessen forderte der Ministerpräsident die Bevölkerung erneut zum impfen auf. Man könne sich nicht „ausruhen auf unserer hohen Impfquote und der vergleichsweise ordentlichen Lage in unseren Krankenhäusern“, sagte Hans. „Wir müssen davon ausgehen, dass mehr Patienten aus Bayern und Baden-Württemberg hierherkommen. Das Kleeblatt stößt irgendwann auch an seine Grenzen.“ 

Impfstoff knapp

Unterdessen wird deutlich, dass das Bundesgesundheitsministerium erneut zu wenig Impfstoff für die Impfkampagne zur Verfügung stellen kann. So klagen die niedergelassenen Ärzte bundesweit über viel zu wenig Impfstoff gegen das Virus. Zahlreiche Impfaktionen mussten bundesweit abgesagt, gestoppt oder verschoben werden. Viele Ärzte bekämen nur einen Bruchteil der zugesagten Impfdosen. 

Auch wenn immer mehr Ärzte, nun auch Apotheker impfen dürften, fehlt es am Vakzin. Ein Zustand, der aus der breiten Ärzteschaft mit Wut und Unverständnis kommentiert wird. 

Es sei „einfach nur frustrierend und unverzeihlich, dass es immer noch zu wenig Impfstoff gibt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. So seien für die Woche ab dem 5. Dezember rund 4,7 Millionen Dosen Biontech bestellt worden, „aber nur 2,5 Millionen Dosen stehen zur Verfügung“.

Dadurch müssten die Bestellungen gekürzt werden auf 24 bis 30 Dosen je Praxis. Hinzu kämen über 3,9 Millionen Booster-Dosen von Moderna. „Das eigentliche Problem ist aber nicht das Boostern, sondern die Tatsache, dass über zwölf Millionen Erwachsene in Deutschland noch gar nicht geimpft sind. Wenn wir das Coronavirus zurückdrängen wollen, müssen wir diese Menschen erreichen“, so der Appell des Kassenärztechefs. Die geplante Einrichtung eines Krisenstabes im Kanzleramt nannte Gassen „sicherlich sinnvoll“, die Besetzung müsse aber überdacht werden. Die niedergelassenen Ärzte müssten „als der ambulante Schutzwall unbedingt eingebunden sein“, forderte der KBV-Vorsitzende. „Der Krisenstab sollte nicht nur wie bisher überwiegend aus Physikern und Mathematikern bestehen, sondern muss Maßnahmen mit den relevanten Playern im Gesundheitswesen, die die Versorgung letztendlich leisten, abstimmen und umsetzen.“ Zudem machte Gassen Druck auf den designierten Kanzler Olaf Scholz (SPD), rasch einen Nachfolger für den scheidenden Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu benennen. 

„Es ist in dieser krisenhaften Zeit wichtig, dass diese Spitzenposition schnell besetzt ist“, sagte Gassen mit Blick auf die Unklarheit, wen die SPD für das Ressort auswählt. Es müsse „bald klar“ sein, „wie die künftige Besetzung des Ministerpostens im Bundesgesundheitsministerium aussehen wird“, so Gassen.

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Bildquellen

  • Tobias Hans 19-01-2021: Livestream PK MP Hans 19-01-2021

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