Webcomic „Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche“ ist online verfügbar

Als Vermittlungsprojekt zum Denkmal „Band der Erinnerung“, dem namentlichen Gedenken an die deportierten und ermordeten saarländischen Jüdinnen und Juden, ist der Webcomic „Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche“ entstanden.

Mittwoch, 28. September 2022

Webcomic „Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche“ ist online verfügbar

Als Vermittlungsprojekt zum Denkmal „Band der Erinnerung“, dem namentlichen Gedenken an die deportierten und ermordeten saarländischen Jüdinnen und Juden, ist der Webcomic „Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche“ entstanden.

Webcomic Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche – Julia Pierzina & Jakob HinrichsWebcomic Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche – Julia Pierzina & Jakob HinrichsWebcomic Lücken – eine (bio)grafische Spurensuche – Julia Pierzina & Jakob Hinrichs

Das Kulturamt der Landeshauptstadt Saarbrücken hat den Webcomic in Zusammenarbeit mit dem K8 Institut für strategische Ästhetik und dem Illustrator Jakob Hinrichs veröffentlicht. Als Mittel zur geschichtlichen Aufklärung richtet er sich insbesondere an Jugendliche und junge Erwachsene, um sie für jüdisches Leben in der Landeshauptstadt zu sensibilisieren. Interessierte können den Webcomic auf der Webseite erinnern.saarbruecken.de/webcomic lesen. 

Zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Um das nationalsozialistische Unrecht beispielhaft zu veranschaulichen, wurden für den Webcomic zwei Lebensläufe mit engem Bezug zur heutigen Landeshauptstadt Saarbrücken ausgewählt und aufbereitet. Mit Unterstützung des Stadtarchivs und des Landesarchivs Saarland hat das K8 Institut für strategische Ästhetik biografische Daten aus den Landesentschädigungsakten gesammelt und diese in die Erzählung des Webcomics eingebunden.  

Die Handlungsstränge wechseln zwischen der Gegenwart und der Zeit des Nationalsozialismus. Über zeichnerische Abbildungen verschiedener zentral gelegener Saarbrücker Straßen und Plätze, die sowohl dem heutigen als auch dem damaligen Stadtbild entsprechen, geht der Webcomic auf historische Spurensuche, erhält einen ausgeprägten lokalen Bezug und lädt dazu ein, selbst diesen Spuren zu folgen.

Der Platz vor der Saarbrücker Synagoge und das neue Denkmal „Band der Erinnerung“ stellen den Ausgangspunkt der Zeitreise dar. In der Erzählung werden verschiedene Saarbrücker Orte mit Geschichten aus der Vergangenheit verknüpft.

Friedel Heilbronner und Ladislaus Gray

Die Ausgestaltung der Handlung im Webcomic ist angelehnt an die ausgewählten Biografien, sie enthält jedoch auch fiktionale Elemente. In der Saarbrücker Bahnhofstraße wird das damalige, vom jüdischen Kaufmann Leo Oppenheimer gegründete Textilgeschäft Bamberger & Hertz vorgestellt. Der Sohn der Familie Oppenheimer wurde unter dem Namen Max Ophüls ein berühmter Regisseur. Im Webcomic wird über die Tochter der Familie Oppenheimer, Friedel Heilbronner, ausführlicher erzählt. Unter anderem geht es darum, auf welchen Wegen ihrer Familie 1933 die Ausreise nach Frankreich gelang und wie die Familie 1941 angesichts der Verfolgung weiter nach Argentinien fliehen konnte.

Eine weitere für den Webcomic ausgewählte Biografie beschreibt den Lebenslauf des jüdischen Fußballprofis Ladislaus Gray. Als junger Mann wurde er als Fußballtrainer aus Ungarn nach Dudweiler geholt. Der Webcomic verdeutlicht anhand seiner Biografie, wie die Lebensumstände für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger durch Rassengesetze und antisemitische Hetze im Nationalsozialismus zunehmend schwieriger wurden. Nachdem Ladislaus Gray im Winter 1939 seine Anstellung und daraufhin seine Wohnung verlor, starb er kurze Zeit später in einem jüdischen Krankenhaus in Frankfurt am Main.

Detaillierte historische Informationen

Im Webcomic erfahren Leserinnen und Leser auch von der früheren Synagoge in Saarbrücken und ihrer Zerstörung am 9. November 1938 in der sogenannten Reichskristallnacht. Erwähnt wird zudem ein Bericht der Saarbrücker Zeitung vom 11. November 1938, der verdeutlicht, wie stark der Antisemitismus zu dieser Zeit entwickelt war.

Darüber hinaus informiert der Webcomic über die Deportationen der Wagner-Bürckel-Aktion 1940 und beschreibt deren Weg vom Gefangenenlager im südfranzösischen Gurs über das Durchgangslager Drancy in die Vernichtungslager im Osten. Weiterführende Hinweise laden zum Nachlesen und eigenen Recherchieren ein.

Der Webcomic bietet sich zur Nutzung für Lehrerinnen und Lehrer an, als ergänzendes Material mit lokalem Bezug für den Geschichtsunterricht, für Schulklassen und Jugendgruppen, aber auch für historisch interessierte Bürgerinnen und Bürger als digitaler Begleiter bei Stadtrundgängen.

Erinnerungskultur
Mehr Informationen zur Erinnerungskultur in Saarbrücken gibt es hier.

Erinnerungskultur


QuelleLandeshauptstadt Saarbrücken



Bildquellen

  • Rathaus St. Johann Saarbrücken: Landeshauptstadt Saarbrücken

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