Villeroy & Boch Fliesen schließt Werk in Merzig

Villeroy & Boch Fliesen schließt sein Werk in Merzig noch in diesem Jahr. Die Fertigung wird in die Türkei verlagert.

Das traditionsreiche Werk von Villeroy & Boch Fliesen in Merzig soll noch im Jahr 2022 geschlossen werden. Bereits seit mehreren Monaten ist bekannt, dass das Unternehmen eine Umstrukturierung vornehmen wird und seine Aktivitäten auf andere Werke verlagern wird.

Begründet wird die Umstrukturierung mit „wachsendem Kostendruck“. Der SR zitiert das Unternehmen wie folgt:

„Extrem hohe Kosten für Energie, Transporte, Verpackung und Rohstoffe sowie das hohe Lohnniveau in Deutschland machen die Produktion von Fliesen wirtschaftlich unattraktiv“

Stellungnahme V&B gegenüber Saarländischem Rundfunk

Von den Maßnahmen betroffen sind rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dank einer Standortsicherungsvereinbarung mindestens bis März 2023 weiterbeschäftigt werden.

Außerdem solle ein Maßnahmenpaket geschnürt werden: „Vorrangiges Ziel ist es, für möglichst viele Mitarbeiter neue Arbeitsplätze zu finden“, so Geschäftsführer Jörg Schwall. Über die weiteren Schritt soll in einer Betriebsversammlung informiert werden.

Produktion in der Türkei

Bereits seit 2007 gehört die V&B Fliesen GmbH mehrheitlich zur türkischen Eczacibasi-Gruppe (Vitra Sanitärkeramik). Die Fliesen sollen zukünftig im Stammwerk der Gruppe in der Türkei produziert werden, Marketing, Vertrieb und Verwaltung sollen in Merzig verbleiben.

Der Umzug der Verwaltung, Marketing und Vertrieb in den Bürokomplex „Neue Mitte Merzig“ ist für Anfang 2023 geplant. Dort soll auch ein Ausstellungsraum entstehen.

Logistik zieht nach Koblenz

Bereits im Frühjahr teilte das V&B Fliesen mit, dass die Logistik des Unternehmens nach Polch bei Koblenz umziehe. Dort entsteht ein neues, vollautomatisiertes, 60.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum.

Hoffeld: „Herber Verlust für Stadt und Region“

Der Bürgermeister der Kreisstadt bezeichnet gegenüber der SZ den Umzug als „herben Verlust“. „Die Verlagerung der Produktion dieses alteingesessenen Traditionsunternehmens ist ein herber Verlust für unsere Stadt und die gesamte Region.“ „Den größten Schaden dieser Verlagerung tragen aber die rund 200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, so Hoffeld weiter.

Rund 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden demnach in den neuen Räumlichkeiten weiterarbeiten.

„Wir werden daher Gespräche mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat der V&B Fliesen GmbH sowie dem saarländischen Minister für Arbeit, Magnus Jung, führen, damit Lösungen gefunden werden, die zeitnah den betroffenen Menschen eine berufliche Perspektive bieten“, verspricht der Bürgermeister gegenüber der Saarbrücker Zeitung.

70.000qm Fläche neu belegen

Durch den Umzug der Logistiksparte werden rund 70.000 Quadratmeter an Nutzfläche frei, die neu entwickelt werden müssen. Dies stelle eine Mammutaufgabe für die Stadt dar. Im Merziger Stadtrat bezeichenten die Fraktionen der CDU und SPD diese Aufgabe noch im April als „Große Chance“.

In einer gemeinsamen Presseerklärung betonte z.B. CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Auweiler damals: „Merzig liegt in einem Kessel, die Fläche ist begrenzt. Bislang war es kaum oder nur sehr schwer möglich, Raum für Wohnen oder Gewerbe zu schaffen und gleichzeitig Renaturierung zu betreiben.“ Die Umstrukturierung der Villeroy & Boch Fliesen GmbH mache dies nun möglich, schaffe Raum „und dies sogar ohne Umwelt und Natur aus dem Blick zu verlieren“. Und weiter: „70 000 Quadratmeter bedeutet für mich auch 70 000 Chancen für unser Merzig.“

Ortsvorsteher Alexander Boos (CDU) ergänzte, dass man mit dem „verlässlichen Partner Villeroy & Boch etwas Neues schaffen werde“. So könnten „Flächen entsiegelt werden, Wohnraum entstehen und Betriebe sich entfalten, ansiedeln“ – alles bei sinkender Geräuchemmission für Anwohner.



Bildquellen

  • Villeroy & Boch Logo: Villeroy & Boch

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