Bildungsqualität im Saarland steigt

Der Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bescheinigt dem Saarland eine Verbesserung in Sachen Bildungsqualität, sieht aber auch weiter Defizite.

Nach Auswertungen des „Bildungsmonitor 2021“ hat das Saarland seit 2013 den größten Sprung gemacht. Lag das kleinste Bundesland Deutschlands 2013 noch auf Rang 15, liegt es aktuell auf Rang 5.

So liegen die Bildungsausgaben je Bildungsteilnehmer an Grundschulen (7.200 Euro) und den Hochschulen (15.500 Euro) über dem Bundesdurchschnitt (7.100 Euro und 11.300 Euro), obwohl das Saarland insgesamt für alle Ausgabenbereiche pro Einwohner weniger Geld als der Bundesdurchschnitt ausgibt.

Damit liegt man im Bundesvergleich auf Platz 1.

Ebenfalls ganz vorne liegt das Saarland in der „Zeiteffizienz“: Die Wiederholerquote in der Sekundarstufe I lag im Jahr 2019 im Saarland mit 1,7 Prozent unterhalb des Bundesdurchschnitts von 2,6 Prozent. Die Wiederholerquote bei den Grundschülern fiel mit 0,2 Prozent ebenfalls besser aus als im Bundesdurchschnitt (0,5 Prozent). Auch werden relativ wenige Kinder verspätet eingeschult. Beim Durchschnittsalter der Erstabsolventen schnitt das Saarland ebenfalls besser als der Durchschnitt ab (Saarland: 25,5 Jahre; Bundesdurchschnitt: 25,9 Jahre).

Auch bildet das Saarland überdurchschnittlich viele Akademiker aus (5,7 % zu 4,8 % Bundesdurchschnitt). Aber: Die Studie ergab auch, dass der Anteil der MINT-Absolventen an den Gesamtabsolventen im Saarland unterdurchschnittlich ausfällt.

Auf Platz drei schafft es das Saarland bei der Kinderbetreuung: Die Betreuungsrelationen sind in den Kindergärten, in den Grundschulen, in der Sekundarstufe I und bei den Teilzeit-Berufsschulen besser als im Bundesdurchschnitt. Im Jahr 2019 wies das Saarland in den Grundschulen eine Schüler-Lehrer-Relation von 13 auf, während diese im Bundesdurchschnitt 15,6 betrug. Das Saarland erzielte hier den besten Wert aller Bundesländer.

Und auch im Bereich der Integration liegt das Saarland noch im oberen Drittel (4. Platz). Bei den Tests zu den Bildungsstandards aus dem Jahr 2018 zeigte sich, dass der Einfluss des sozialen Hintergrunds der Eltern auf die Mathematikleistungen der Kinder geringer und damit besser ausfiel als im Bundesdurchschnitt. Weiterhin erlangten im Jahr 2019 mit 8,1 Prozent überdurchschnittlich viele Jugendliche mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit an beruflichen Schulen die Studienberechtigung (Bundesdurchschnitt: 6,6 Prozent).

Allerdings wurde auch deutlich, dass mit 21,6 Prozent der ausländischen Schulabgänger ein überdurchschnittlich hoher Anteil keinen Schulabschluss erreicht.

Bildungsministerium zufrieden

Im saarländischen Bildungsministerium zeigt man sich zufrieden. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) sagt: „Die Ergebnisse des Bildungsmonitors 2021 für das Saarland sind eine klare Bestätigung unseres bildungspolitischen Kurses und der guten Arbeit, die in unseren Kitas und Schulen geleistet wird. Darauf können alle Beteiligten stolz sein“.

Man habe seit 2013 viel erreicht, um die Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen im Land zu verbessern. „Hohe Investitionen in Köpfe, der Einsatz für mehr Personal an unseren Kitas und Schulen, Bildung und Betreuung im Ganztag und die digitale Modernisierung unseres Bildungssystems lohnen sich und führen zu messbaren Verbesserungen“, so streichert-Clivot.

Ministerium unterschlägt Defizite

In der Pressemeldung des Bildungsministeriums gänzlich unbeachtet blieben die Kritikpunkte. 

So wies das Saarland bei der Promotionsquote mit 4,9 Prozent einen unterdurchschnittlichen Wert auf (Bundesdurchschnitt: 5,6 Prozent). Unterdurchschnittlich schnitt das Saarland auch bei den eingeworbenen Drittmitteln je Professor ab (Saarland: 135.500 Euro; Bundesdurchschnitt: 156.700 Euro). Auch die Anzahl der Forscher an den Hochschulen bezogen auf das BIP fällt im Saarland relativ gering aus.

Und auch bei der Bildungsarmut landet das Saarland nur auf dem 12. Platz. Besonderes Risiko ließ sich für die Neuntklässler im Saarland in Mathematik und in den Naturwissenschaften feststellen. 

Verbesserungspotenzial besteht auch bei der Schulabbrecherquote. Diese lag im Jahr 2019 im Saarland bei 7,2 Prozent, während sie im Bundesdurchschnitt 6,6 Prozent betrug. Beim Anteil der erfolgreichen Absolventen an den Abgängern aus dem Berufsvorbereitungsjahr erreichte das Saarland ebenfalls einen leicht unterdurchschnittlichen Wert (Saarland: 53,4 Prozent; Bundesdurchschnitt: 54,5 Prozent).

Fortschritte bei Digitalisierung

Fortschritte sieht die Studie bei der Digitalisierung der Schulen. „Durch Corona bleiben aber im Ausblick wie in allen Bundesländern sehr große Herausforderungen im Bildungssystem, die sich in den kommenden Jahren bei der Bewertung der Handlungsfelder negativ auswirken dürften“, so die Studie.

Eine Befragung von Lehrkräften zeigt, dass diese bundesweit fast zur Hälfte gravierende Lernrückstände bei über der Hälfte der Schülerinnen und Schüler feststellen. Die Eltern hingegen waren mit dem Lernangebot „in ähnlichem Maße wie der Bundesdurchschnitt“ zufrieden.

Der Bildungsmonitor gibt dem Land abschließend eine Handlungsempfehlung: „Auf Basis von Vergleichsarbeiten sollten gezielte Förderprogramme zur Schließung der Lernlücken umgesetzt werden. Dazu ist eine hochwertige Förderinfrastruktur an Schulen zur nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen aufzubauen (Ganztagsschulen, multiprofessionelle Teams) und die Digitalisierung der Schulen weiter voranzubringen.“





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