Studie: Zahl künftiger Rentner wird Fachkräftemangel verschärfen

Die Altersstruktur der Bevölkerung wird in Deutschland zunehmend zum Problem für den Arbeitsmarkt.

Dies ist das Ergebnis einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben) berichten. Aktuell ist bereits fast jeder vierte Beschäftigte (22,8 Prozent) über 55 Jahre alt, in den nächsten zehn Jahren werden somit voraussichtlich 7,3 Millionen Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Mehr als zwei Millionen Männer und Frauen verabschieden sich dabei aus Berufen, in denen schon jetzt Fachkräfte fehlen. Wenn die Älteren in Rente gehen und weniger junge Menschen nachrücken, könnten sich die Engpässe in einigen Branchen verschärfen, so die Studie. Schwierig werde es unter anderem für die Logistikbranche: 32,4 Prozent der Berufskraftfahrer sind derzeit über 55 Jahre alt. Sollten diese 182.084 Personen in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen, wird sich der schon heute bestehende Fachkräftemangel in der Branche von bis zu 80.000 fehlenden Fahrern noch mal deutlich verschärfen. Weitere Engpässe drohen im Gesundheitssektor. 40 Prozent der Führungskräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege, in Rettungsdiensten und der Geburtshilfe sind ebenfalls über 55. In diesen Berufen könne bereits für 90 Prozent der ausgeschriebenen Stellen kein Personal gefunden werden, heißt es in der Kofa-Studie. Erfahrene Arbeitskräfte spielen heute in Deutschland eine größere Rolle. Die Erwerbstätigenquote in der Altersgruppe der Ü-55-Jährigen hat sich seit 2013 bis 2020 von 37,8 Prozent auf 71,7 Prozent fast verdoppelt, heißt es in der Kofa-Studie.

Seit 2013 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 3,9 Millionen Männer und Frauen – davon waren 2,5 Millionen älter als 55 Jahre. Manche Firmen haben im Kampf gegen den Fachkräftemangel bereits ihr Ausbildungsangebot erhöht, berichtet der Kofa-Leiter Dirk Werner und spricht sich für ein flexibleres Renteneintrittsalter aus. „Wir sollten das Können und das Know-how erfahrener Fachkräfte möglichst lange nutzen, wenn sie das wollen. Das würde uns vor allem in solchen Berufen helfen, die bereits heute unter erheblichem Fachkräftemangel leiden.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert die Bundesregierung vor allem zu einer aktiven Arbeitsmarktpolitik auf: „Mehr junge Menschen brauchen eine berufliche Ausbildung – niemand darf auf der Strecke bleiben“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. In manchen Branchen sei der Mangel durch schlechte Arbeitsbedingungen auch „hausgemacht“.



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