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Corona-Selbsttests, über dts

„Mangel und Mängel herrschen bei den Antigen-Schnelltests“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe). Bei Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit gebe es keine Sicherheit für den Verbraucher.

„In der sich jetzt auftürmenden Omikron-Welle ist das fatal.“ Aktuell seien rund 600 Schnelltests am Markt, davon seien allerdings nicht einmal die Hälfte durch das Paul-Ehrlich-Institut geprüft. „Die Mehrzahl ist entweder nicht getestet oder nicht zuverlässig“, sagte Brysch. Es sei deswegen längst überfällig, dass Schnelltests in die höchste Klassifizierung der Medizinprodukte eingeordnet werden. „Herstellerangaben reichen da nicht aus.“ Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Tino Sorge (CDU), sieht den Bedarf an Schnelltests über die Feiertage stark ansteigen. „Viele Bürger wählen die Kombination aus Impfung und Testung, um möglichst sicher mit der Familie feiern zu können“, sagte Sorge dem „Handelsblatt“. Und weiter: „Wenn nun auch der Gesundheitsminister dazu rät, gleich mehrere Schnelltests hintereinander zu machen, muss er sicher sein, dass der Markt das auch hergibt.“ Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte über die Feiertage zu regelmäßigen Tests aufgerufen. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor einem Mangel. „Dass Corona-Tests zur Eigenanwendung aktuell vielerorts nicht vorrätig sind oder mitunter ein Vielfaches der bislang üblichen Preise kosten, ist für Verbraucherinnen und Verbraucher gerade jetzt besonders ärgerlich“, sagte der Gesundheitsexperte Arne Weinberg der Zeitung. „Die bevorstehenden Feiertage mit Familienbesuchen, die Empfehlung von Politik und Wissenschaft zur Nutzung von Tests und die gleichzeitige Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante sorgen hier für ein unausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage.“ Erste Unternehmen in Deutschland berichten davon, dass sich die Beschaffung von Corona-Selbsttests zunehmend schwieriger gestaltet. Das zeigt eine „Handelsblatt“-Umfrage unter ausgewählten Konzernen. So heißt es vom Energieversorger Eon: „Wir beobachten, dass sich die Verfügbarkeit von Selbsttests am Markt verschlechtert hat.“ Auch der Konsumgüterkonzern Beiersdorf teilte auf Anfrage mit: „Die Beschaffung ist schwieriger geworden.“ Der Vorrat sei allerdings auf absehbare Zeit ausreichend. Ähnlich äußerte sich auch der Sportartikelhersteller Puma. Die meisten der befragten Firmen zeigten sich hingegen weniger besorgt: der Düsseldorfer DAX-Konzern Henkel ließ verlautbaren: „Wir sind aktuell nicht von einer Knappheit an Tests betroffen.“ Ähnliches teilten der Dufthersteller Symrise, der Logistikspezialist Jungheinrich, der Energieversorger RWE und die Deutsche Börse mit. Auch der Verband der Familienunternehmer sieht derzeit keinen größeren Mangel an Tests.

Der Bedarf nach Coronatestkits ist in den Unternehmen groß. Betriebe dürfen nur Geimpfte, Genesene oder Negativ-Getestete (3G) aufs Gelände lassen. Viele Firmen verlangen aus Sicherheitsgründen auch von Geimpften und Genesenen einen Negativtestnachweis. Das erhöht die Nachfrage nach Selbsttests. Die großen Händler in Deutschland sehen sich auf „Handelsblatt“-Anfrage für die hohe Nachfrage der Bürger nach Corona-Selbsttests gerüstet, sie berichten allerdings mancherorts von Engpässen. Die Drogeriemarktkette dm erklärte, verschiedene Produkte von unterschiedlichen Anbietern im Sortiment zu haben. „Dennoch kann es derzeit aufgrund der schwankenden Nachfrage sowie gestörter Lieferketten dazu kommen, dass nicht immer alle Produkte ausreichend verfügbar sind“, sagte Sebastian Bayer aus der Geschäftsführung von dm. In den vergangenen Tagen habe sich die Liefersituation jedoch spürbar verbessert. Beim Konkurrenten Rossmann hieß es auf Anfrage: „Mit Blick auf die Feiertage können wir sagen, dass die Warenversorgung mit Corona-Selbsttests in unseren Filialen aktuell stabil ist.“ Der Lebensmitteldiscounter Aldi Süd teilte mit, dass die Verfügbarkeit „grundsätzlich gesichert“ sei. „Infolge von Nachfragespitzen kann es jedoch vereinzelt vorkommen, dass mancherorts die Tests vorübergehend vergriffen sind.“ Wie Aldi beschränken die meisten Händler die Ausgabe von Coronatests nicht. Allerdings bittet Aldi seine Kunden „die Selbsttests nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen“.



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