Neue Lieferketten und Rohstoffe könnten Autos 25 Prozent verteuern

Die deutsche Automobilindustrie könnte angesichts der gestörten Lieferketten ihren Einkauf neu aufstellen müssen - was die Fahrzeuge vermutlich erheblich teuer macht.

Das sagte Jan Dannenberg von der Unternehmensberatung Berylls dem Magazin „Focus“. In den letzten Jahren hätten die Hersteller ihre Beschaffung so konsequent auf Kosteneffizienz getrimmt, dass sie „schon bei leichten Disruptionen Schwierigkeiten“ bekämen.

Ein sogenanntes „Dual Sourcing“ – also die Produktion ein und desselben Teils an verschiedenen Standorten, – komme bisher nur bei hohen Stückzahlen in Frage. Aktuell, so Dannenberg, würden die die Konzerne neu abwägen, bei welchen Teilen sie sich mit alternativen Quellen absichern müssten. Die Mehrkosten für künftige krisensichere Lieferketten bezifferte der Experte auf zehn bis 15 Prozent für die verbauten Teile. Dazu kämen die zum Teil drastischen Preissteigerungen bei Rohstoffen.

„Wenn wir all das mit einrechnen, könnte ein durchschnittliches Fahrzeuge 20 bis 25 Prozent teurer werden.“ Verschiedene Autohersteller mussten nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs ihre Produktion drosseln, weil Kabelbäume fehlten. „Die Produktion von Kabelbäumen ist ein extrem personalintensiver Fertigungsschritt“, sagte Dannenberg. 30 bis 70 Arbeitsstunden müssten dafür veranschlagt werden.

Die Herstellung in der Ukraine schlage im Schnitt mit 350 Euro pro Pkw zu Buche. „In Deutschland wäre sie praktisch nicht bezahlbar.“ Immerhin habe die Branche Ausweichmöglichkeiten. „Kabelbäume werden auch in Vietnam, in Mexiko, Tunesien, Marokko, teilweise auch in Moldavien gefertigt“, so Dannenberg.

Eine Verlagerung der Produktion in diese Länder sei darstellbar, wenn auch nicht über Nacht.



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