Allianz nennt erste Details zur neuen Strategie

Allianz-Chef Oliver Bäte hat erste Details zur neuen Strategie genannt, die am 3. Dezember vorgestellt werden soll.

„Ich würde auch aus Nachhaltigkeitssicht drei Themen in den Fokus bringen, die Grundprobleme der Gesellschaft sind. Erstens gute Antworten auf die Altersvorsorgeproblematik, zweitens Fortschritte im Gesundheitsbereich ohne Kostenexplosion und drittens bezahlbares Wohnen“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Sein Haus habe zwei Jahre an einem Vorschlag gearbeitet, wie bezahlbares Wohnen auch in Deutschland möglich sei. Der neue Dreijahresplan gilt ab dem kommenden Jahr bis ins Jahr 2024. Bätes bisherige zwei Strategiepläne mit gleicher Laufzeit waren vor allem von finanziellen Zielen geprägt. Auch konkrete Vorgaben für Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterführung standen in den Positionspapieren.

Zudem sollen Nachhaltigkeitsthemen eine noch größere Rolle spielen. Ebenfalls ließ Bäte bereits erkennen, wie er sich seine Nachfolge vorstellen könnte. „Das kann ein Techie sein. Aber auch eine Nachfolgerin. Oder beides, es gibt viele Möglichkeiten“, sagte Bäte dem „Handelsblatt“.

Generell gelte es, sehr früh über eine Nachfolge nachzudenken. „Für jeden Top-Job bei der Allianz gibt es mindestens zwei bis drei Leute, die die Aufgabe am nächsten Tag schon übernehmen könnten und vielleicht sogar besser. Das muss auch für den Vorstandsvorsitzenden gelten“, sagte Bäte.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl forderte der Allianz-Chef von der Politik eine klare Wirtschaftsstrategie für die nächste Legislaturperiode. „Die Politik muss endlich ehrlich sagen, dass Klimaschutz ohne höhere Kosten bei Mobilität, Energie und teilweise auch Lebensmitteln nicht möglich ist“, sagte Bäte dem „Handelsblatt“. Natürlich bedeute Klimaschutz auch Verzicht. Aber: „Wir sagen den Leuten einfach nicht die Wahrheit“, so Bäte wörtlich.

Den Wahlkampf der vergangenen Wochen fand der Allianz-Chef „unglaublich frustrierend“. Wichtige Themen wie die steigende Inflation oder Rekordausgaben für Soziales hätten fast komplett gefehlt. Stattdessen wurde nach seiner Ansicht zu viel über das Thema Ungerechtigkeit gesprochen. Ein Fehler, wie Bäte findet.

„Vielen ist nicht klar, dass gerade das gesamte Geschäftsmodell Deutschlands auf dem Spiel steht“, sagte Bäte. Die deutsche Volkswirtschaft hänge an einer starken Industrie. „Wenn wir beim Energieumbau Fehler machen, ist die Wirtschaftskrise unausweichlich, weil der Kern unserer Wirtschaft in Schwierigkeiten gerät“, so der Allianz-Chef. Vor allem die Kosten des grünen Umbaus würde vielfach unterschätzt. „Da müsste massenhaft privates Kapital reingehen, aber dafür gibt es kein regulatorisches Konzept“, so Bäte. Gerne würde die Allianz bei der Gestaltung der Finanzierung mitarbeiten, zu einem Gedankenaustausch mit der Politik sei es aber noch nicht gekommen. Auf die deutsche Wirtschaft sieht Bäte deshalb schwere Zeiten zukommen. „Ich befürchte, dass das Trendwachstum zurückgeht, weil die nötigen Subventionen für den Umbau für Innovationen an anderer Stelle fehlen könnten.“ In der Konsequenz gingen dadurch die Steuereinnahmen zurück. „All das hätte im Wahlkampf diskutiert werden müssen. Statt um Themen ging es aber vor allem um Personen.“





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