Teil-Lockdown in Deutschland in Kraft

Seit Mitternacht gelten in Deutschland ein vorerst auf vier Wochen beschränkter Teil-Lockdown. Strenge Kontaktbeschränkungen, geschlossene Gastronomie und Freizeiteinrichtungen sind die Folge.

Anders als im Frühjahr bleiben dieses Mal Kitas, Schulen und Geschäfte generell geöffnet. Geschlossen werden mussten Cafés, Kneipen, Bars, aber auch Kinos, Theater, Opern, Museen, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Saunen und viele weitere Einrichtungen aus dem Bereich der Körperpflege, wie beispielsweise Tattoo- oder Nagelstudios.

In Restaurants darf nur noch Essen zum Mitnehmen angeboten werden. Generell verzichten sollen die Bürgerinnen und Bürger auf „nicht zwingend notwendige Reisen und Besuche“.

Ziel dieser Beschränkungen soll sein, Gesundheitsämter und generell das Gesundheitssystem zu überlasten.

Freie Intensivbetten sind derzeit in noch ausreichendem Maße vorhanden. Problematischer ist das fehlende Personal. Hier könnte es zu einem Engpass an speziell ausgebildeten Intensivpflegern kommen, wenn die zweite Welle nicht schnellstmöglich gebrochen wird.

12.000 Neuinfektionen zum Montag

Am frühen Morgen meldete das Robert-Koch-Institut 12.097 Sars-Cov-2-Neuinfektionen. Erfahrungsgemäß sind die Fallzahlen an Montagen niedriger, weil am Wochenende weniger getestet wird. Letzten Montag lag die Zahl der Neuinfektionen bei 8685 binnen 24 Stunden.

Rekord an Intensivpatienten in zwei bis drei Wochen

In zwei bis drei Wochen werden wir die Höchstzahl der Intensivpatienten aus dem April übertreffen – und das können wir gar nicht mehr verhindern. Wer bei uns in drei Wochen ins Krankenhaus eingeliefert wird, ist heute schon infiziert„, sagt Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft der „BILD“-Zeitung.

Er kündigte bereits an, Pflegepersonal aus nichtintensivmedizinischen Bereichen auf Intensivstationen einzusetzen. „Das ist natürlich nicht optimal, aber in einer solchen Ausnahmesituation zu rechtfertigen.“

Da bereits die Kapazitäten in einigen Bundesländern knapp zu drohen werden, sollen planbare Operationen verschoben werden, um die notwendigen Kapazitäten vorzuhalten.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, sagte am Wochenende in der „Bild am Sonntag“: „Ganz klar: Es ist in einigen Bundesländern nicht mehr viel Spielraum. Berlin hat nur noch 14 Prozent freie Intensivbetten, Bremen 17 Prozent.

Die Situation im Frühjahr sei „viel weniger dramatisch“ gewesen, als das „was jetzt auf uns zukomme“.

4000 Bundeswehrsoldaten im Einsatz

Die Kapazitäten der Bundeswehr im Kampf gegen Corona wurden mittlerweile auf 4000 Soldatinnen und Soldaten aufgestockt. Innerhalb einer Woche habe sich die Zahl nahezu verdoppelt. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte am Sonntag in einem Interview mit den Fernsehsendern RTL und ntv: „Wir sind mittlerweile in jedem zweiten Gesundheitsamt aktiv.

Das Einsatzgebiet erstrecke sich dabei vom Nachverfolgen der Infektionsketten, über die Entnahme von Abstrichen oder direkt an den Teststationen.

Die Kräfte gehören zum Einsatzkontingent „Hilfeleistung gegen Corona“. Hier stehen insgesamt 15.000 Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung.

Kramp-Karrenbauer weiter: „Man sieht, dass der Bedarf an Hilfe von Tag zu Tag wirklich sprunghaft ansteigt. Das ist ein Zeichen dafür, wie massiv diese zweite Welle ist.

Hans warnt vor „Kollaps des Gesundheitssystems“

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat vor einem Zusammenbrechen des Gesundheitssystems in der Corona-Pandemie gewarnt. Außerdem schließt er die Verlängerung des Lockdowns nicht aus.

Die Situation ist erschreckend und alarmierend: Schon bald kann es zu einem Kollaps in vielen der 1.900 Krankenhäuser in Deutschland kommen“, sagte Hans der „Bild am Sonntag“.

Gerade jetzt, wo in der zweiten Corona-Welle jeder Intensiv- und Beatmungsplatz dringend benötigt werde, würden Kliniken aus der Versorgung fallen, Stationen geschlossen und Notaufnahmen abgemeldet. „Grund ist fehlendes oder erkranktes Pflegepersonal“, so Hans. „Es drohen eine Triage und italienische Verhältnisse, wenn wir nicht jetzt auch hier gegensteuern.

Er wolle, dass die Bürger Weihnachten mit der Familie feiern und Silvester mit den besten Freunden anstoßen könnten, so Hans. „Aber völlig klar: Man kann nicht am 1. Dezember einfach weitermachen, als gebe es kein Corona. Wir werden mit diesem Virus noch eine ganze Weile leben müssen.





Werbung