Mindestens vier Tote bei Vorfall in Trierer Fußgängerzone

Bei dem Vorfall in der Trierer Innenstadt, bei dem am Dienstagnachmittag mehrere Personen von einem SUV erfasst wurden, sind mindestens vier Menschen getötet worden.

15 Personen wurden zum Teil schwer verletzt, bestätigte die Polizei am Dienstagabend. Unter den Toten ist auch ein Kleinkind.

Der festgenommene mutmaßliche Täter, ein 51-jähriger Trierer, sei alkoholisiert gewesen und habe bei der Festnahme erheblichen Widerstand geleistet, teilten die Beamten mit. Die Staatsanwaltschaft ermittelt mit dem Verdacht des Mordes. Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sprach von dem „vermutlich schwersten Tag der Stadt Trier seit dem zweiten Weltkrieg“. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr der Tatverdächtige gegen 13:45 Uhr aus Richtung Basilika kommend über den Hauptmarkt in Richtung Porta Nigra.

Der Tatverdächtige ist in der Vergangenheit noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Hinweise auf einen politisch motivierten Hintergrund liegen nach den bisherigen Erkenntnissen nicht vor, hieß es.

Pressekonferenz am Abend

Die Ermittler informierten die Bevölkerung am Abend auf einer weiteren Pressekonferenz. Nach Polizeiangaben starben nach aktuellem Stand der Ermittlungen ein neun Monate altes Baby, eine 25-jährige Frau, eine 73-jährige Frau sowie ein 45 Jahre alter Mann aus Trier. Die Mutter des Babys befinde sich verletzt im Krankenhaus. Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagte, es habe außer den Toten noch vier Schwerstverletzte, fünf erheblich Verletzte und sechs Leichtverletzte gegeben.

Der mutmaßliche Täter, 51-jähriger Deutscher aus dem Kreis Trier-Saarburg, soll in den letzten Tagen nicht in einer Wohnung, sondern im Auto verbracht haben. Er soll ersten Ermittlungen zufolge zuletzt keinen festen Wohnsitz mehr gehabt haben.

Der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen erklärte, es werde wegen Mordes und Körperverletzung ermittelt. Anhaltspunkte für ein terroristisches, politisches oder religiöses Motiv gebe es derzeit nicht. Es gebe jedoch Hinweise auf ein „psychatrisches Krankheitsbild“. Außerdem war der Verdächtige alkoholisiert: 1,4 Promille Atemalkoholkonzentration seien festgestellt worden.

Polizeivizepräsident Ankner sagte, das „Tatfahrzeug war ein Geländewagen, der mutmaßlich in Schlangenlinien durch die Fußgängerzone geführt wurde“. Ziel war es offenbar, gezielt Leid zuzufügen, so der Polizeivizepräsident weiter. Die Strecke, die der Täter durch die Fußgängerzone fuhr, betrug etwa 900 Meter. Es sei eine „Spur der Verwüstung“ hinterlassen worden. Vier Minuten nach Erstmeldung sei der Fahrer gestoppt und festgenommen worden. Dabei habe er Widerstand geleistet.

Innenminister Roger Lewentz bestätigt außerdem, dass „viele weitere psychisch Traumatisierte das Ergebnis der heute begangenen Tat“ seien.

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD) zeigte sich bestürzt über das Unglück. „Es ist ein ganz ganz schlimmer Tag für Rheinland-Pfalz und meine Heimatstadt Trier“, sagte die SPD-Politikerin am Dienstagabend.

Auch der saarländische Ministerpräsident zeigte sich erschüttert und bot die Hilfe der Regierung an: „Ich bin tief erschüttert und bestürzt über die Tat in Trier. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen und auch bei den Einsatzkräften vor Ort, die diese schrecklichen Bilder und Erlebnisse jetzt verarbeiten müssen. Eine solche Tat geht uns allen mitten ins Herz, denn solch sinnlose Gewalt kann jeden treffen. Unsere tiefste Solidarität gilt jetzt unseren Nachbarn und Freunden in Trier und ganz Rheinland-Pfalz. Die saarländische Regierung hat ihre Unterstützung angeboten.“

Die Bundesregierung äußerte sich am ebenfalls zu dem Vorfall in Trier: „Was in Trier geschehen ist, ist erschütternd„, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. „Die Gedanken sind bei den Angehörigen der Todesopfer, bei den zahlreichen Verletzten und bei allen, die in diesem Moment im Einsatz sind, um die Betroffenen zu versorgen.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich „sehr traurig.“

Pressekonferenz am Mittag

Um 15:15 Uhr fand eine erste Pressekonferenz statt. Polizei und Oberbürgermeister informierten über die Lage vor Ort. Demnach sei der Fahrer ein 51-jähriger Deutscher aus dem Kreis Trier-Saarburg. Ein Sprecher der Polizei sagte zu einem möglichen Motiv des Täters: „Zu der Motivation können wir noch nicht sagen, wir müssen den Festgenommenen erst befragen, was schwierig ist. Nach Polizeiangaben soll sich der Fahrer des SUVs gewehrt haben.

Oberbürgermeister Leibe brach in der Pressekonferenz in Tränen aus und musste diese kurzzeitig unterbrechen: „Ich bin gerade durch die Innenstadt gelaufen. Es war einfach nur schrecklich. Es bot sich ein Anblick des Grauens. Da steht ein Turnschuh … das Mädchen dazu ist tot.“, sagte Leibe mit tränenerstickender Stimme.

Der Sprecher der Polizei bestätigte, dass mindestens ein Kind unter den Toten ist. Weitere Angaben zu Opfern wollte die Polizei nicht machen.





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