Verkehr und Bau verfehlen Klimaziele in Deutschland

Die deutsche Klimabilanz wird nach einem corona-bedingten Rückgang der CO2-Emissionen im Vorjahr nun wieder negativ ausfallen und in den Sektoren Verkehr und Gebäude die gesetzlichen Klimaziele für 2021 wieder verfehlen.

Das kritisierten Umwelt- und Klimaschutzverbände vor der öffentlichen Vorstellungen der Daten durch das Umweltbundesamt an diesem Dienstag in Berlin – und warnten vor einer weiteren Verschlechterung als Folge des Ukraine-Krieges, berichtet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Dienstagausgaben). „Auch im Jahr 2021 sind die Klimaziele in den Sektoren Gebäude und Verkehr nicht erfüllt worden“, sagte der Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), Jörg-Andreas Krüger, dem RND. „Jahrelang wurde versäumt, wirksame Klimaschutzmaßnahmen in diesen Bereichen einzuführen. Das fällt jetzt mit doppelter Wucht auf uns zurück“, kritisierte er in Bezug auf den Krieg und die Folgen für die europäische Energieversorgung und -preise.

Die Bundesregierung müsse nun schnellstens nachhaltige Maßnahmen für eine klimasichere Zukunft in diesen Sektoren ergreifen, forderte Nabu-Chef Krüger. „Wir sind noch immer viel zu abhängig von fossilen Energieträgern.“ Auch Greenpeace stellte den Zusammenhang her: „Im Gebäudebereich heizen wir Putins Gas zum Fenster hinaus anstatt auf energieeffiziente Wärmepumpen umzustellen“, sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid dem RND. „Im Mobilitätsbereich unterlassen wir es durch Tempolimit und Sonntagsfahrverbote die Treibhausgasemissionen und die Ölimporte aus Russland sofort zu senken.“

Die bereits im Vorjahr gestiegenen Gaspreise hätten zu einer Verlagerung der Stromproduktion von Gaskraftwerken auf CO2-intensive Steinkohlekraftwerke geführt, so Smid. „Durch Putins Angriffskrieg auf die Ukraine und den daraufhin explodierten Gaspreisen droht in diesem Jahr der CO2-Ausstoß nochmals sprunghaft anzusteigen“, warnte der Klimaexperte. „Energieunabhängigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz gehören zusammen.“ Für alle drei Ziele sei nun ein „maximaler Ausbau von Erneuerbare Energien in maximaler Geschwindigkeit“ nötig.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte, dass angesichts der neuen Zahlen die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor in den nächsten acht Jahren faktisch halbiert werden müssten, um die gesetzlichen Ziele zu erreichen. Deshalb sei nun vor allem „Energiesparen das Gebot der Stunde“, erklärte BUND-Geschäftsführerin Antje von Broock. Zudem müsse man „die autozentrierte Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte beenden“, so von Broock. „Menschen im ganzen Land müssen die Möglichkeit haben, ohne eigenes Auto mobil zu sein.“

Nötig seien Tempolimits statt Tankrabatte. Die Klimadaten für 2021 werden an diesem Dienstag veröffentlicht und vom Präsidenten des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner, in Berlin vorgestellt. Für das Wirtschafts- und Klimaministerium von Robert Habeck (Grüne) soll Staatssekretär Patrick Graichen teilnehmen.

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