Steinmeier drängt auf weitere Aufarbeitung des Olympia-Attentats

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drängt 50 Jahre nach dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in München auf eine weitere Aufarbeitung.

„Heute, fünfzig Jahre später, sind noch immer viele, viel zu viele Fragen offen“, sagte er am Montag bei der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Attentats in Fürstenfeldbruck. Dem Anschlag seien „Jahre und Jahrzehnte des Schweigens und Verdrängens“ gefolgt.

„Jahre der wachsenden Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Hinterbliebenen. Jahre der Hartherzigkeit.“ Auch das sei ein „Versagen“, so Steinmeier. „Wie konnte das alles geschehen? Dieser Frage müssen wir uns stellen und nach Antworten suchen. Wir müssen diese Antworten endlich finden wollen.“

Es sei immer noch nicht geklärt, warum die überlebenden Täter so schnell abgeschoben und nie juristisch belangt wurden. „Es ist schwer erträglich, dass sich einer der damaligen Täter noch heute dieses Verbrechens rühmt und vor der Kamera versichert, dass er wieder genauso handeln würde“, sagte der Bundespräsident. Auch die genauen Verbindungen der Täter zu deutschen Rechtsextremen und zur RAF müssten noch geklärt werden.

Das Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden sei ebenfalls noch nicht aufgeklärt worden. „Wir reden über eine große Tragödie und ein dreifaches Versagen“, so Steinmeier. „Das erste Versagen betrifft die Vorbereitung der Spiele und das Sicherheitskonzept. Das zweite umfasst die Ereignisse am 5. und 6. September 1972. Das dritte Versagen beginnt am Tag nach dem Attentat: das Schweigen, das Verdrängen, das Vergessen.“

Er begrüße es ausdrücklich, dass die Bundesregierung nun die Einsetzung einer israelisch-deutschen Historikerkommission vorschlage, fügte das Staatsoberhaupt hinzu. Er hoffe, dass es der Kommission gelingen werde, „mehr Licht in dieses dunkle Kapitel zu bringen“. Voraussetzung sei, dass sie möglichst umfassenden Zugang zu Dokumenten erhalte und dass sie nach Kräften in ihrer Arbeit unterstützt werde. Den Experten aus beiden Ländern komme eine große Verantwortung zu: „Ihre Arbeit wird vielleicht schmerzhafte, unbequeme Wahrheiten zutage fördern, auch zutage fördern müssen.“

Man müsse die Geschichte von München ’72 aufarbeiten – und auch die „Geschichte der Nichtaufarbeitung“, sagte Steinmeier.



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