Spahn verteidigt Biontech-Begrenzung

Impfspritze mit Impfstoff von Biontech, über dts
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Entscheidung verteidigt, Bestellobergrenzen für den Biontech-Impfstoff festzulegen.

Als Grund gab er am Montag in der Bundespressekonferenz vorübergehend begrenzte Kapazitäten an. Die Nachfrage nach dem Impfstoff sei in den letzten zwei Wochen sehr stark gestiegen.

Alleine in dieser Woche gingen sechs Millionen Biontech-Dosen in die Versorgung in Deutschland. „Das ist mehr als es bisher überhaupt insgesamt an Auffrischimpfungen gegeben hat“, so Spahn. Das müsse zudem auch erst einmal verimpft werden. Es sei zuletzt leider der Eindruck entstanden, dass man nur deshalb stärker auf den Impfstoff von Moderna setze, um einen Verfall im ersten Quartal 2022 zu vermeiden: Das sei zwar ein wichtiger Aspekt, „aber nicht der Entscheidende“, sagte der CDU-Politiker.

Vielmehr leere sich das Biontech-Lager so schnell, dass man ab der nächsten Woche „vorübergehend nicht mehr als zwei bis drei Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs pro Woche“ für die Versorgung zur Verfügung stellen könne. Es werde aber alles, was man zur Verfügung stellen könne, ausgeliefert. Bis Jahresende stünden 24 Millionen Biontech-Dosen zur Verfügung, vom Moderna-Impfstoff bis zu 26 Millionen Dosen. Insgesamt belaufe sich die Menge an Impfdosen bis Jahresende demnach auf 50 Millionen.

„Es ist genug Impfstoff für alle anstehenden Impfungen da. Und beide Impfstoffe wirken“, sagte der Gesundheitsminister.

Moderna & Biontech hochwirksam

Auf der Bundespressekonferenz erklärten Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung der Berliner Charité und Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, die Wirksamkeit der beiden mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech.

Cichutek bekräftigte die Aussagen, dass sowohl BionTech als auch Moderna eine hohe Wirksamkeit und ein niedriges Risikoprofil hätten. „Die Boosterung ist ganz ausgezeichnet. Die Impfstoffe sind äquivalent und können beiden für die Auffrischungen verwendet werden“, sagte Cichutek.

Sander ergänzte, dass die Impfung der einzige Ausweg aus der Notlage wäre. Alle aktuell vorliegenden Daten sprächen für einen 3-Dosen-Ausweg, da der Booster-Impfschutz die Wirksamkeit noch einmal zwischen 10 und 20-fach erhöhen würde.

„Beide Impfstoffe sind von der Bauart identisch. Studien suggerieren einen kleinen Vorteil von Moderna gegenüber Biontech. Das sind aber marginale Unterschiede auf hohem Niveau“, so Sander.

„Sie können jeden Impfstoff nehmen, der gerade da ist“, sagt Sander. Er ergänzte, dass man bei einer Grippeschutzimpfung auch nicht nach dem Hersteller fragen würde. Er als Arzt habe sehr gute Erfahrungen mit beiden Vakzinen gemacht. „Wir haben die besten Impfstoffe in ausreichender Menge.“

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts ergänzte außerdem, dass insbesondere die beiden mRNA-Impfstoffe eine sehr hohe Wirksamkeit zeigen würden.

Zu wenig Impfstoff?

Die Diskussion über die Menge des verfügbaren Impfstoffs wird heftig diskutiert. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies darauf hin, dass kein Impfstoff zurückgehalten werde. „Moderna wird unbegrenzt ausgeliefert werden können. Davon haben wir 16 Millionen Booster-Dosen auf Lager“, fügt Spahn hinzu. Das Verfalldatum des Moderna-Impfstoffs sei sicherlich auch ein Kriterium, aber nicht „das“ bestimmende Kriterium. Man baue derzeit einen Puffer auf, dass dieser Puffer jedoch bereits in dieser Woche aufgebraucht werde, habe man nicht vorhersehen können. Dennoch werde auch in den nächsten Wochen zwischen zwei und drei Millionen Impfdosen von Biontech ausgeliefert, man könne jedoch nicht alle Biontech-Lieferungen bedienen.

PEI-Präsident Cichutekt ergänzt erregt: „Wir sitzen hier in Deutschland im Schlaraffen-Land“ angesichts der vielen verfügbaren sicheren Impfstoffe. „Ich halte es für eine unangemessene Diskussion, dass diese beiden Impfstoffe nicht miteinander ausgetauscht werden können“. „Viele andere Länder sehnen sich danach“, so Cichutek.

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