Potsdam-Institut hält Pariser Klimaziele für nicht ausreichend

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström, kritisiert das international weitgehend anerkannte Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) sagte er, dieses Ziel reiche nicht, um einen immer schnelleren Klimawandel zu verhindern. Die Grenze müsse „unterhalb von 1,5 Grad“ liegen.

Richtig sei ein Maximum von 1,3 Grad. Gegenwärtig habe man schon 1,2 Grad erreicht. Den Grund für diese Forderung hat Rockström im September zusammen mit anderen Forschern in der Zeitschrift „Science“ dargelegt: Sie schreiben, einige der „Kippunkte“, ab denen die Erwärmung sich von selbst beschleunige, seien möglicherweise jetzt schon erreicht. Dazu gehöre das Abtauen der Eispanzer in Grönland und in der westlichen Antarktis.

Rockström sagte der FAS, er trete zwar „persönlich“ für eine neue Grenze bei 1,3 Grad ein, als Direktor des PIK unterstütze er aber die Linie seines Instituts, das geltende 1,5-Grad-Ziel weiter zu verfolgen. Diese Schwelle ist im Klima-Abkommen von Paris festgelegt. Er sei „Pragmatiker“, stellte Rockström fest, und er sehe, dass es „null“ Chancen gebe, eine ehrgeizigere Grenze durchzusetzen. „Das Pariser Abkommen ist das einzige verbindliche Dokument, das wir haben. Deshalb verteidige ich es.“

An die Adresse Deutschlands richtete Rockström den Appell, im Kampf gegen die Erderwärmung Atomenergie und CO2-Speicherung zu nutzen; Beides ist in der Bundesrepublik umstritten. „Bei der Speicherung von CO2 muss Deutschland umdenken“, sagte Rockström. „Es geht nicht ohne. Das ist kein gefährliches Geo-Engineering, sondern das schafft man mit bewährten Technologien.“

Außerdem sei die Klimakrise „zu ernst, um bestehende Kernkraftwerke zu schließen, solange sie sicher sind. Wer das tut, handelt falsch“. Neue Kernkraftwerke seien aber nicht sinnvoll.

„Das würde zu lang dauern, und nach dem heutigen Stand der Technik würde es zu viel kosten.“



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