Intensivmediziner wollen Fußballspiele mit Fans überprüfen

Führende Intensivmediziner haben einen Vorschlag entwickelt, wie unter kontrollierten Studienbedingungen maximal die Hälfte der Sitzplätze in Fußballstadien mit Fans besetzt werden könnten.

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„Obwohl wir seit mehr als einem Jahr mit der Coronakrise zu kämpfen haben, gibt es noch immer keine validen Daten zum Infektionsrisiko bei Großveranstaltungen“, sagte Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin, der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe). „Wir haben uns deswegen Gedanken für einen sicheren Studienaufbau unter realen Bedingungen gemacht.“

Stadien würden sich hervorragend eignen, um Testläufe auch für andere Veranstaltungsorte durchzuführen, sagte Karagiannidis. Er schlägt konkret vor, maximal die Hälfte der Sitzplatzkapazitäten für Besucher unter strengen Studienbedingungen und Hygienekonzepten freizugeben. „Bei allen Masken tragenden Zuschauern wird vor dem Zutritt zum Stadion die Temperatur kontaktlos gemessen. Wer eine höhere Körpertemperatur als 38 Grad Celsius hat, muss umkehren. Anschließend bekommen die Personen mit unauffälliger Temperatur einen Schnelltest und einen PCR-Test per Abstrich“, sagte der Intensivmediziner. Bei positivem Schnelltest erfolge eine sofortige Quarantäne. Die Ergebnisse der Tests sollten im Nachhinein verglichen werden, sagte Karagiannidis. Innerhalb des Stadions sollen die Zuschauer aufgeteilt werden: „Ein Sitzblock bekommt durchgehend FFP2-Masken, ein anderer Block den etwas einfacheren medizinischen Mund-Nasen-Schutz, dessen Schutz aber auch sehr effektiv ist.“ Zudem würde vor den Rängen die Lautstärke gemessen, um Fangesänge in die Datenanalyse einfließen lassen zu können. Alle Zuschauer müssten sich bereiterklären, drei Tage nach dem Stadionbesuch wieder einen PCR-Test machen zu lassen. „An diesen Ergebnissen ließe sich ablesen, wie viele Menschen bei negativem Schnelltest trotzdem Corona-positiv waren, wie viele erst nach dem Spiel eine Infektion aufwiesen und wie viele sich möglicherweise im Stadion angesteckt haben“, sagte Karagiannidis, der als leitender Oberarzt an der Lungenklinik in Köln-Merheim tätig ist. „Wenn wir unter solchen Bedingungen etwas über die Verbreitung des Virus bei Großveranstaltungen lernen, könnten davon auch andere Veranstaltungsbereiche profitieren.“

Die Finanzierung müsse der Deutsche Fußball-Bund übernehmen, sagte der Mediziner. „Der Deutsche Fussball-Bund hat ausreichende Mittel, um einen solchen Studienaufbau zu finanzieren. Er hat ein Eigeninteresse daran, möglichst rasch Zuschauer in Stadien zu lassen.“ Derzeit finden alle Spiele der Bundesliga ohne Zuschauer in den Stadien statt.





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