Experten und Politik spekulieren über Kosten eines Gaspreisdeckels

Die diskutierte Preisbremse für Gasverbraucher könnte laut Berechnungen der Vorsitzenden der neuen Gas-Expertenkommission der Bundesregierung, Veronika Grimm, "nur" einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten.

Das „Handelsblatt“ berichtet darüber. Würde man das von Grimm vorgeschlagene Modell wählen, lägen die Kosten für den Staat demnach bei 24,4 Milliarden Euro jährlich.

Annahmen für die Berechnung sind allerdings, dass der durchschnittliche Gaspreis im kommenden Jahr 25 Cent je Kilowattstunde beträgt und der Deckel nur für private Haushalte gilt. Aktuell impliziert der Großhandelspreis allerdings einen Verbraucherpreis von eher 28 bis 32 Cent, Hilfen für Unternehmen werden ebenso gefordert. Sollte sich die Situation auf dem Gasmarkt entspannen und der Preis läge nur noch bei 20 Cent, betrügen die Kosten laut den Berechnungen 15 Milliarden Euro. „Sollen Unternehmen, die Gas über einen Versorger beziehen, ebenfalls von dem Deutschlandtarif profitieren, so erhöhen sich die Kosten proportional zu dem zusätzlich entlasteten Verbrauch“, sagte Grimm dem Blatt.

Die Ökonomin hatte empfohlen, den Gaspreis für 75 Prozent des Durchschnittsverbrauchs zu deckeln und sich bei der Höhe am mittelfristig erwartbaren Gaspreis zu orientieren, der bei etwa zwölf Cent je Kilowattstunde liegen soll. Ein weiterer Vorschlag für einen Gaspreisdeckel kommt auf eine ähnliche Kostenschätzung. „Wir kommen eher bei einen Volumen in Höhe eines niedrigen bis mittleren zweistelligen Milliardenbetrags heraus“, sagte Sebastian Dullien, Direktor des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), dem „Handelsblatt“. Dullien hat gemeinsam mit der Massachusetts-Ökonomin Isabella Weber, die Mitglied des Expertengremiums ist, eine pauschale Deckelung von 80 Prozent des Verbrauchs aus 2021 vorgeschlagen.

Auch er geht in seiner Rechnung von – aktuell optimistisch anmutenden – 25 Cent je Kilowattstunde als Marktpreis aus. Offenbar kalkulieren die Ergebnisse nicht ein, dass die Großhandelspreise sogar noch weiter steigen könnten, wenn der Staat die Kosten übernimmt und die Verbraucher ihren Verbrauch dementsprechend weniger drosseln. Die Ergebnisse der Wissenschaftler stehen dementsprechend auch im Kontrast zu Aussagen der parlamentarischen Geschäftsführerin der SPD, Katja Mast, von Mittwoch. Die hatte gesagt, sie gehe „am Ende von einem dreistelligen Milliardenbetrag“ pro Jahr aus.

Um tatsächlich auf Kosten von 100 Milliarden Euro zu kommen, müsste der Gaspreis auf unter 10 Cent gedeckelt werden, so Dullien. Außerdem müssten jegliche Haushalte wie auch die Wirtschaft profitieren. „Ich glaube aber nicht, dass man so vorgehen sollte und dass man den Rahmen des Deckels enger fassen wird“, sagte Dullien.



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