Ex-Generalinspekteur warnt vor Kampfeinsätzen für Demokratie

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, warnt Deutschland vor künftigen Kampfeinsätzen für die Demokratie.

„Wir müssen verstehen: Unsere Aufgabe ist nicht, mit Waffengewalt Demokratie einzuführen und die Welt zu verbessern“, sagte Kujat, der zum Zeitpunkt der islamistischen Terroranschläge auf die USA 2001 im Amt war und von 2002 bis 2005 den NATO-Militärausschuss leitete, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Der militärische Einsatz in Afghanistan sei nicht verloren worden, „die Politik ist gescheitert“.

Militärisch habe Deutschland seinen Auftrag erfüllt. „Der lautete: Bündnissolidarität nach den Terroranschlägen auf die USA 2001. Die NATO hatte erstmals den Bündnisfall ausgerufen. Und nicht zu vergessen: Die islamistischen Attentäter kamen aus Hamburg“, so Kujat. Der Satz des damaligen Verteidigungsministers Peter Struck (SPD), dass Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt werde, habe aber nie gestimmt, sagte Kujat.

„Struck wollte damit größere Unterstützung für den Einsatz bewirken. Der Westen, genauer die NATO, wollte Demokratie, wirtschaftlichen Aufschwung, selbsttragende Sicherheit nach Afghanistan bringen. Aber wir haben die Mentalität und die Wirkkraft des Islam in Afghanistan falsch eingeschätzt.“ Die Taliban hätten schon früher darauf dringen können, an der Regierung beteiligt zu werden, um dann später die Macht ganz zu übernehmen.

„Sie wollten aber mit dem Sturm auf Kabul und der Besetzung des Präsidentenpalastes den Westen demütigen“, sagte der Ex-Generalinspekteur. Eine Umkehr der jüngsten Geschehnisse sei nicht möglich. „Die Taliban haben sich nicht geändert. Sie werden grausam vorgehen, um ihre Macht zu festigen und einen furchtbaren Steinzeit-Islamismus zu installieren.“

Wirtschaftshilfen aus dem Westen seien ihnen egal. „Afghanistan hat große geostrategische Bedeutung, es ist umgeben von fünf Nuklearstaaten. China und Russland haben längst Kontakte zu den Taliban geknüpft.“ Der Westen habe mit dem Abzug der Truppen keine Basis mehr für eine politische Einflussnahme.

„Anfangs hatten wir 150.000 NATO-Soldaten im Kampfeinsatz in Afghanistan. Das sollte man bedenken, wenn man ein erneutes militärisches Eingreifen fordert. Und mit Luftschlägen kann man vielleicht einzelne Terroristennester bekämpfen, aber darüber hinaus wenig bewirken“, sagte Kujat dem RND. Dass der Widerstand der durch den Westen ausgebildeten afghanischen Armee so schnell zusammengebrochen sei, liege daran, dass etwa ein Drittel der ausgebildeten afghanischen Streitkräfte bereits nach der Ausbildung zu den Taliban übergelaufen sei. „Die Taliban haben offenbar auch gezielt Leute geschickt, die Ausbildung war ja gut.“





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