DGB: Staat muss Bezahlung in Pflege und Einzelhandel verbessern

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, fordert ein Eingreifen des Staates, damit Beschäftigte in der Pflege und dem Einzelhandel nicht weiter von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt werden.

„Wir brauchen eine dauerhaft bessere Bezahlung der Berufe in der Pflege- und im Einzelhandel. Die vereinzelt gezahlten Corona-Prämien brachten zwar Anerkennung zum Ausdruck, wurden dem gesellschaftlichen Wert der Arbeit aber keinesfalls gerecht“, sagte Hoffmann dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwochausgaben).

Auf die „Welle der Sympathie“ in der Bevölkerung, die es zu Beginn der Coronakrise gegeben habe, müsse die Politik jetzt dringend reagieren, so Hoffmann. „Wir fordern seit Langem die erleichterte Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen und höhere Investitionen, gerade in der Gesundheits- und Pflegebranche.“ Neben mehr Lohn forderte der DGB-Chef auch bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege, zum Beispiel durch großzügigere Personalschlüssel. „Nicht die Frage der Produktivitätssteigerung gehört hier in den Mittelpunkt, sondern der Mensch. Es geht hier sowohl die Beschäftigten als auch um die zu betreuenden und zu pflegenden Personen“, sagte Hoffmann. Es sei Zeit, für eine ehrliche Debatte, sagte der Gewerkschafter. „Auf der einen Seite klatschen und auf der anderen Seite die Antwort auf die Frage scheuen, woher die Gelder für diese Tätigkeiten kommen – das geht nicht“, so Hoffmann. „Eine tatsächliche Aufwertung dieser Berufe kann es nur geben, wenn die gesamte Gesellschaft bereit ist, sich dafür einzusetzen und die Politik endlich aktiv wird.“

Damit wäre auch ein Beitrag zur Überwindung der Lohnlücke von Frauen und Männern getan, so der DGB-Vorsitzende. Die Bertelsmann-Stiftung hatte am Dienstag eine Studie zur Einkommensentwicklung vorgestellt, der zufolge Arbeitnehmer in der Pflege und im Einzelhandel in den kommenden Jahren bei der Lohnentwicklung das Nachsehen haben werden. Laut der Stiftung werden vor allem die Beschäftigten abgehängt, auf die die Bevölkerung in Zeiten der Corona-Pandemie besonders angewiesen sei.





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