Tichanowskaja kritisiert erste EU-Sanktionen gegen Lukaschenko

Die weißrussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat sich kritisch zu den ersten drei EU-Sanktionspaketen gegen die Regierung von Alexander Lukaschenko geäußert.

Sie seien „keine angemessene Antwort auf die Massenfolterungen“ in Weißrussland gewesen, sagte sie der „Zeit“. Vorschläge, wonach Sanktionen begrenzt werden sollten, weil die Menschen unter den Sanktionen leiden, wies sie zurück.

„Zunächst einmal leiden die Menschen nicht wegen der Sanktionen, sondern wegen der Gewalt, der Folter und der Unterdrückung“, so Tichanowskaja. Nach der Zwangslandung eines Flugzeugs in Minsk sei die politische Antwort Europas schließlich „ziemlich stark und sehr schnell“ gewesen. Es sei ein Paket von Sanktionen verhängt worden, welche eine Verhaltensänderung des Regimes erkennen ließen. Die Oppositionsführerin hält den Protestwillen der Weißrussen gegen die Regierung für ungebrochen.

„Die öffentlichen Demonstrationen sind im Moment verschwunden, aber nicht, weil die Menschen nicht auf die Straße gehen wollen, um ihre Haltung gegenüber dem Regime zu zeigen, sondern weil der Preis jetzt zu hoch ist“. Die Menschen hätten verstanden, dass sie jeden Moment entführt und ins Gefängnis gesteckt werden könnten, wenn sie ihre öffentliche Meinung zeigten, so Tichanowskaja. Das Gefühl der Angst sei zu den Weißrussen zurückgekehrt, aber der Wunsch nach Veränderung sei immer noch vorhanden. Obwohl alle unabhängigen Medien geschlossen wurden, nutzten Regierungsgegner inzwischen andere Formen der Kommunikation, zum Beispiel über den Messenger Telegram sowie Youtube.

Politische Gefangene könnten so auch aus den Gefängnissen ihre Eindrücke teilen. „Die Menschen nutzen die wenigen Möglichkeiten, die sich ihnen vor Ort bieten, sie nutzen jeden Zentimeter, um den Protest und die Menschen, die fliehen mussten, weiterzuführen“, so die ehemalige Präsidentschaftskandidatin.





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