Russland startet Militäraktion in Ukraine

Russland hat in der Nacht zum Donnerstag mit einer Militäraktion in der Ukraine gestartet - und sich dabei nicht nur auf die Konfliktregionen in der Ostukraine beschränkt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Operation in der Nacht in einer Fernsehansprache offiziell angekündigt. Kurz darauf gab es Berichte über Explosionen aus dem Donbass, aber auch aus Charkiw, Odessa, Mariupol und der Hauptstadt Kiew.

Der ukrainische Außenminister schrieb auf Twitter, dass Russland eine „umfassende Invasion“ der Ukraine gestartet habe. Es handele sich um einen „Angriffskrieg“. Die internationale Gemeinschaft reagierte entsetzt. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte den „rücksichtslosen“ Angriff auf das Schärfste. Die deutsche UN-Botschafterin Antje Leendertse sprach bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats davon, dass die „russische Aggression“ politisch, wirtschaftlich und moralisch einen „beispiellosen Preis“ haben werde.

Es herrscht Krieg

Der russische Präsident hat am frühen Morgen eine Militäroperation gegen die Ukraine angekündigt und forderte das ukrainische Militär auf, die Waffen niederzulegen. Bomben schlagen landesweit ein, auch in der Hauptstadt.

Russland bombadiert die Ukraine. Es sind Zeilen, die unvorstellbar, aber doch nach den Entwicklungen der vergangenen Tagen immer näher kamen.

„Ich habe die Entscheidung für eine Militäroperation getroffen“, sagte Kreml-Herrscher in einer Fernsehansprache in der Nacht zum Donnerstag. Er forderte das ukrainische Militär auf, „die Waffen niederzulegen“.

In seiner Rede schwört Putin Vergelten gegen all diejenigen, die sich in die „russische Operation einmischen“ und drohte mit „nie zuvor dagewesenen Konsequenzen“.

Putin bemächtigte sich der Kriegsrhetorik und zuvor gestreuten, in den westlichen Medien als Fake-News bezeichneten Stigmas. Er rechtfertigte ein Vorgehen unter anderem damit, dass die Maßnahmen „den Schutz der Menschen, die seit acht Jahren Misshandlung und Genozid ausgesetzt sind“ als Ziel habe.

„Dafür werden wir die Entmilitarisierung und die Entnazifizierung der Ukraine anstreben“, sagte Putin weiter.

Die ukrainische Armee würde eine „militärische Aggression“ durchführen, gegen Schulen und Kindergärten beispielsweise.

Städte unter Beschuss

Nach Angaben mehrerer weltweit agierender Nachrichtenagenturen finden derzeit in vielen Städten gleichzeitig Luftangriffe Stadt, unter anderem auch auf Infrastruktur in der Hauptstadt Kiew. So soll es am internationalen Flughafen fünf Explosionen gegeben haben, berichtet das Innenministerium der Ukraine. In der Hauptstadt sind mittlerweile Sirenen zu hören, vor Luftangriffen warnen. Starker Verkehr zieht sich aus der Stadt heraus in Richtung Westen.

Auch Mariupol, eine 450.000 Einwohner-Stadt, ist offenbar unter Beschuss.

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Mehrere Ministerien in der Ukraine bestätigten den Angriff der russischen Armee. „Die Invasion hat begonnen“, sagt der ukrainischen Innenminister gegenüber dem amerikanischen Nachrichtensender CNN. „Putin hat gerade eine große Invasion der Ukraine gestartet. Friedliche ukrainische Städte werden attackiert. Das ist ein Angriffskrieg“, sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba.

Laut ukrainischem Innenministerium werden derzeit Flugplätze und Militäreinrichtungen beschossen. Der Luftraum sei für Zivilflüge geschlossen worden.

Bodentruppen in Odessa gelandet

Nach Angaben von Anton Gerashchenko, einem Berater des Innenministers, sind russische Bodentruppen mittlerweile in der Stadt Odessa gelandet.

Von der Leyen: Werden Kreml zur Rechenschaft ziehen

Die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat den Angriff auf die Ukraine verurteilt. Man werde den Kreml zur Rechenschaft ziehen.

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Selensky ruft Kriegszustand aus

Unterdessen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im gesamten Land den Kriegszustand ausgerufen. Russland attakiere die ukrainische Infrastruktur, so der Präsident weiter.

Er mahnte das Volk, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Anwohner sollen drinnen bleiben und einen Rucksack mit dem Notwendigsten vorzubereiten für den Fall, dass eine Evakuierung notwendig sei.

Ukrainischer UN-Botschafter: „Sie fahren zur Hölle, Botschafter!“

Der UN-Botschafter der Ukraine hat seinen Amtskollegen aus Russland wegen des Einmarsches scharf kritisiert. „Es gibt kein Fegefeuer für Kriegsverbrecher. Sie fahren direkt zur Hölle, Botschafter“, sagte Serhij Kyslyzja zum russischen Vertreter Wassili Nebensja während einer hitzigen Diskussion im UN-Sicherheitsrat. Russland hat hier derzeit den Vorsitz. Man überlegt offenbar, ihn abzusetzen.

Deutsche Botschafterin: Russland wird beispiellosen Preis zahlen

Die Deutsche UN-Botschafterin Antje Leendertse kündigte im UN-Sicherheitsrat schwere Konsequenzen an. „Die russische Aggression wird politisch, wirtschaftlich und moralisch einen beispiellosen Preis haben“.

Scholz verurteilt russische Aggression

Bundeskanzler Olaf Scholz verurteilte den russischen Angriff als einen „eklantanten Bruch des Völkerrechts“, der durch nichts zu rechtfertigen sei. „Russland muss diese Militäraktion sofort einstellen“, fordert der Kanzler und kündigt für heute eine enge Abstimmung innerhalb der G7, der NATO und der EU an.

Biden: Russland hat vorsätzlich Krieg begonnen

US-Präsident Joe Biden hat sich in einer ersten Stellungnahme geäußert. Russland habe „vorsätzlich einen Krieg gegen die Ukraine begonnen“ und sei alleine verantwortlich für das ausgelöste menschliche Leid, die Todesfälle und Schäden. Man werde Russland entschlossen zur „Rechenschaft“ ziehen.

Gleichzeitig kündigt der US-Präsident ernsthafte Sanktionen an, die gemeinsam mit den G7 verhängt würden.

Separatisten greifen von Ukraine gehaltene Städte an

Die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine begannen unterdessen nach eigenen Angaben mit massiven Angriffen auf die ukrainische Armee.

Belarus greift Ukraine an!

Der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, dass es im Norden der Ukraine zu Gefechten kommt. Grenzposten seien unter Beschuss. Neben russischen Truppen sollen demnach auch belarussische Truppen an den Gefechten teilnehmen. Kameras von der Grenze zeigen, wie aus Belarus Militärfahrzeuge in die Ukraine einrollen.

Johnson: „Putin wählt Zerstörung“

Der britische Premierminister Boris Johnson zeigt sich über den russischen Angriff entsetzt. „Ich bin entsetzt über die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine“, schreibt er auf Twitter. Er habe mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen, um über die nächsten Schritte zu beraten. „Mit diesem unprovozierten Angriff auf die Ukraine hat Präsident Putin sich für einen Weg des Blutvergießens und der Zerstörung entschieden“, fügte er hinzu. „Das Vereinigte Königreich und unsere Verbündeten werden entschlossen reagieren.“

Habeck: „Das unfassbare geschieht“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat entsetzt auf den Angriff Russlands auf die Ukraine reagiert. „Nun ist das Unfassbare geschehen“, erklärte der Grünen-Politiker am Donnerstag. „Russland greift die Ukraine an. Wir haben einen Landkrieg in Europa, von dem wir dachten, er sei nur noch in Geschichtsbüchern zu finden. Es ist ein schamloser Bruch des Völkerrechts, wir verurteilen ihn auf Schärfste.“

Bundeswehr-General a.D.: „Das ist ein Riesenfehler!“

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, zeigt sich völlig überrascht vom Angriff Putins auf die Ukraine. „Das ist ein Riesenfehler, den Putin dort macht. Ich hatte eine Eskalation in der Donbass-Region erwartet, aber nicht einen Angriff auf das ganze Land. Ich hatte immer noch gehofft, dass es einen Weg gibt. Aber ich habe mich geirrt“, sagte Kujat FOCUS Online.

Offenbar versuche Putin mit gezielten, harten Schlägen den Widerstand in der Ukraine zu brechen. „Putin wird keine Nato-Ziele angreifen. Das einzige, was das Bündnis jetzt machen kann, ist der Versuch, mit eigenen Verbänden die eigene Verteidigung zu stärken. Aber das geht nicht so schnell wie es sollte. Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen, diese Verbände in Stellung zu bringen“.

Scholz sichert Ukraine „volle Solidarität“ zu

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat am Donnerstagmorgen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert.

Dabei habe er der Ukraine „die volle Solidarität Deutschlands in dieser schweren Stunde versichert“, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit. Zuvor hatte der Kanzler den Angriff Russlands auf die Ukraine bereits als „eklatanten Bruch des Völkerrechts“ verurteilt, der „durch nichts zu rechtfertigen“ sei.

Scholz kündigte mit Blick auf weitere Sanktionen gegen Russland eine enge Abstimmung mit den Partnern in der Welt an.



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