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Kommentar: Özil: Eine Abrechnung mit Wahrheitsgehalt

Mesut Özil rechnet mit allem und jedem ab und tritt aus der Nationalelf zurück. Ein Kommentar zum Thema.

Mesut Özil inszenierte seinen Rücktritt wie einen Krimi – mehrteilig mit dem großen Finale. Mehrere Monate hat zu der „Erdogan-Affäre“ geschwiegen. Man könnte meinen, dass die Medien-Planer von Özil genug Zeit gehabt haben, genau jene Erklärung auszuformulieren. Sie werden sich auch bewusst sein, mit ihrer Abrechnung eine Bombe geworfen zu haben, die die Grundfesten des DFB erschüttern dürften.

In seiner Erklärung, komplett in Englisch verfasst – wohlgemerkt als Deutscher Nationalspieler, mit ausschließlich deutschem Pass, geboren in Gelsenkirchen, der aus der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurücktritt.

Man möchte sich wundern: Im Jahr 2007 legte Mesut Özil die türkische Staatsangehörigkeit ab, um eingebürgert werden zu können. 2012 äußerte sich Özil zum Thema Staatsbürgerschaft wie folgt:

„Ich habe in meinem Leben mehr Zeit in Spanien als in der Türkei verbracht – bin ich dann ein deutsch-türkischer Spanier oder ein spanischer Deutsch-Türke? Warum denken wir immer so in Grenzen? Ich will als Fußballer gemessen werden – und Fußball ist international, das hat nichts mit den Wurzeln der Familie zu tun.“

(Quelle: Wikipedia / Mesut Özil)

Doch genau auf diese Wurzeln beruft er sich nun, wenn er, wie er selbst sagt, ein nichtpolitisches Statement in Form eines Bildes mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Erdogan veröffentlicht.

Er möchte Fußballer sein und als diesen gemessen werden. Özil möchte deutscher Staatsbürger sein und unterstützt mit diesem Foto einen Präsidenten, der immer mehr Macht an sich reißt und sein Land immer weiter in eine Diktatur umwandelt.

Gleichzeitig sagt in seinem Mehrteiler nichts über Menschenrechte, Pressefreiheit oder seiner Position zur Türkei. Die Folgen seines Schweigens zu diesem Thema haben seine Landsleute in der Türkei zu tragen.

Sich darauf zu berufen, dass er mit Präsident Erdogan über Fußball gesprochen hat, ist kleinkariert. Denn es würde auch bedeuten, dass er sich mit Präsident Assad über sein Fußballerleben unterhalten könnte – ungeachtet der Tatsache, dass er sein Volk seit Jahrzehnten tyrannisiert. Özil vergisst dabei komplett, dass all sein Handeln eine Wirkung erzeugt.

Özil unterstellt weiterhin den deutschen Medien offen Rassismus. Auch hier vergisst er, dass die meisten, vor allem die reichweitenstarken Medien Kritik an unverhältnismäßigen Aktionen – z.B. nach dem Spiel gegen Saudi-Arabien geäußert haben.

Natürlich wurde das Thema „Erdogan und Özil“ auch von Rassisten als Vorwand genommen, um ihre Ausländerfeindlichkeit ausleben zu können. Dies jedoch auf jedes Medium zu beziehen, ist haltlos und eine Frechheit!

Er übt keinerlei Selbstkritik. Selbst bei der WM 2014, wo er nur vereinzelt gute, besser gesagt engagierte Leistungen zeigte, hat ihn niemand kritisiert.

Die inhaltliche Kritik an seinen Spielen bei der WM 2018 ist gerechtfertigt. Er gehörte zu den schlechtesten Spielern unserer Mannschaft. Er wirkte – wie so oft – lustlos und uninspiriert, so sehr, dass Bundestrainer Löw ihn zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht in der Startelf brachte!

Uli Hoeneß sprach hierzu das aus, was viele seit Jahren denken:

„Mesut Özil hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Und jetzt versteckt er sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto. Ein Neuanfang ohne ihn ist das Beste, was passieren kann. Er hat nur gegen San Marino geglänzt. Und jetzt sollen Löw, Bierhoff und Grindel schuld sein?“

Doch damit nicht genug. Hoeneß weiter:

„Seine 35 Millionen Follower-Boys – die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt – kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt. Die Entwicklung in unserem Land ist eine Katastrophe. Man muss es mal wieder auf das reduzieren, was es ist: Sport. Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren!“

Doch bei aller sachlichen Kritik an der spielerischen Qualität von Mesut Özil in der Nationalmannschaft rechnet er nicht nur mit Sponsoren wie Mercedes-Benz ab, sondern unterstellt Grindel und dem DFB offen Rassismus. Er geht sogar noch weiter: Er skizziert eine Islamfeindliche Hetzkampagne durch die DFB Spitze um Reinhard Grindel.

Die Folgen dieser – zum Teil ungerechten Generalschelte sind noch nicht abzusehen. Dass diese Vorwürfe weitestgehend haltlos wirken, da sie von Özil nicht belegt werden, sondern der Eindruck entsteht, dass er jammernd die „Ausländerfeinde Deutschland“-Keule schwingt, sind nicht wegzudiskutieren. Die Millionen Özil-Trikots, die verkauft werden, widerlegen dies. Grindel hat, wie alle DFB-Funktionäre, auch Oliver Bierhoff, der Özil offen ans Messer geliefert hat, versagt, indem sie die explosive Lage unterschätzt haben. Hier legte bereits letzte Woche FC Bayern München Vorstand Karl-Heinz-Rummenigge den Finger in die Wunde, als er sagte, der DFB sei von Amateuren durchsetzt.

Doch auch die, die heute auf Attacke schalten, namentlich Rummenigge und Hoeneß vergessen, dass auch ihr Verein Devisen, besser gesagt, Geld nach Katar tragen – und als Werbeträger Geld von Katar bekommen. Hier ist durchaus eine von Özil genannte Doppelmoral zu erkennen. Die großen Medien berichten über diese Kooperation nur am Rande.

Eines ist jedoch klar: Ein Rücktritt in dieser Art gab es in der Geschichte des DFB noch nie. Alle beteiligten Personen werden Schaden davontragen, Özil vermutlich den größten, da er sich auf unrühmliche Art und Weise, zum Teil in Selbstmitleid zerflossen, aus der Nationalmannschaft verabschiedet hat. Er hätte als Weltmeister mit Stil, Würde und Anstand gehen können – hätte er früher, vor der Präsidentenwahl in der Türkei und vor der WM eine Erklärung abgegeben.

Was bleibt: Viele Verlierer in dieser Sache.

Bildquellen:

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Regio-Journal

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