Reinhard Grindel, Bild: Steffen Prößdorf / Wikimedia
Reinhard Grindel, Bild: Steffen Prößdorf / Wikimedia
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Fall „Özil“: DFB-Präsident Grindel weißt Rassismus-Vorwürfe zurück

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat im Umgang mit Mesut Özil Fehler eingestanden, weißt aber die gegen ihn erhobenen Rassismus-Vorwürfe zurück. Grindel möchte die Debatte um das Thema Integration zum Anlass nehmen, eine Weiterentwicklung voranzutreiben.

„Fußball hat eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz. Das unterstreichen die Diskussionen der vergangenen Tage. Die Rücktrittserklärung von Mesut Özil hat eine Debatte über Rassismus im Allgemeinen und die Integrationsfähigkeit des Fußballs im Besonderen ausgelöst. Ich will mich als DFB-Präsident dieser Debatte nicht entziehen.“

Mit diesen Zeilen beginnt die persönliche Erklärung von DFB-Präsident Reinhard Grindel. Gleichzeitig weißt Grindel die Vorwürfe des Rasissmus gegen ihn, aber auch gegen den Verband zurück.

„Natürlich stelle auch ich mir die Frage, was ich in dieser Zeit hätte besser machen können. Ich gebe offen zu, dass mich die persönliche Kritik getroffen hat. Noch mehr tut es mir für meine Kollegen, die vielen Ehrenamtlichen an der Basis und die Mitarbeiter im DFB leid, im Zusammenhang mit Rassismus genannt zu werden. Für den Verband und auch für mich persönlich weise ich dies entschieden zurück.“

Der DFB-Präsident führt in der Erklärung aus, dass die Werte des DFB auch seine eigenen Werte darstellen. Im Umgang mit dem vielzitierten Foto, auf dem sich Mesut Özil mit dem türkischen Präsident Erdogan zeigt, gesteht Grindel ein, Fehler gemacht zu haben:

„Wir leben unsere Werte. Deshalb haben wir als DFB das Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan kritisch hinterfragt. Ich bedauere es sehr, dass dies für rassistische Parolen missbraucht wurde. Rückblickend hätte ich als Präsident unmissverständlich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Verband selbstverständlich ist: Jegliche Form rassistischer Anfeindungen ist unerträglich, nicht hinnehmbar und nicht tolerierbar. Das galt im Fall Jerome Boateng, das gilt für Mesut Özil, das gilt auch für alle Spieler an der Basis, die einen Migrationshintergrund haben.“

Aufarbeitung des Vorfalls, Blick nach Vorne, EM 2024

Der DFB-Präsident sieht eine der zentralen Aufgaben darin, die Integrationsdebatte, aber auch den „veränderten Resonanzboden für dieses Thema in unserer Gesellschaft“ zum Anlass zu nehmen, sich selbst und die Arbeit  in diesem Bereich weiterzuentwickeln, um neue Impulse zu setzen.

Grindel weiter:

„Zweitens muss es als Konsequenz aus dem enttäuschenden WM-Verlauf eine fundierte sportliche Analyse geben, aus der die richtigen Schlüsse gezogen werden, um wieder begeisternden, erfolgreichen Fußball zu spielen. Das ist Aufgabe der sportlichen Leitung, der wir dafür die notwendige Zeit gegeben haben. Und drittens haben wir alle das große gemeinsame Ziel, den Zuschlag für die Ausrichtung der EM 2024 zu bekommen. Für all diese Vorhaben arbeiten wir gemeinsam in den kommenden Wochen und Monaten mit großem Engagement.“

Seine Erklärung schließt er mit den Worten:

„Das Turnier kann eine neue Geschichte des Fußballs erzählen, Kinder in die Vereine bringen, Menschen noch enger zusammenbringen. Mit und ohne Migrationshintergrund. United by football.“

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