Covid-19 im Saarland: Lage stabil, bitte weniger Alarmismus

Der Herausgeber des Regio-Journals über Themen, die ihn bewegen.
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Covid-19, allgemein Coronavirus genannt, breitet sich im Saarland nicht im übertriebenen Maße aus. Dies ist ein gutes Zeichen. Dennoch warnt der saarländische Ministerpräsident weiter vehement. Eine Meinung.

Die Infektionslage im Saarland darf als stabil bezeichnet werden. Täglich infizieren sich im Saarland eine niedrige zweistellige Zahl an Personen, schwankend zwischen 10 und 20 Personen.

Dass es immer wieder Infektionsausreißer nach „oben“ gibt, war zu erwarten. Diese entstehen, realistisch betrachtet, durch Familienfeiern, Ausbrüchen in Schulen, Flüchtlingsheimen, aber auch durch Reiserückkehrer.

Auch die wichtige Zahl der Verstorbenen Menschen darf als „stabil“ bezeichnet werden. An dieser Stelle sei erwähnt: Jeder „Covid-Tote“ ist einer zu viel. Doch zu einer realistischen Einschätzung gehört auch zu sagen, dass bis zum 01.06.2020 insgesamt 165 Personen, die positiv auf das Covid-19-Virus getestet verstorben sind. Diese Zahl lag am 01.09.2020, also drei Monate später, bei 175.

Die Sterberate konnte durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten, hier sei das betreuende Pflegepersonal, die Gesundheitsämter und Ministerien, aber auch die technische Aufrüstung der Krankenhäuser, als Grund zu nennen, auf ein Minimum gesenkt werden.

Hierdurch sind wir in einer komfortablen Situation angelangt, die wir uns nicht durch Leichtsinn kaputtmachen sollten.

Zur besagten ganzen Wahrheit gehört jedoch auch, nicht täglich politische Mahnungen und unterschwellige Drohungen abzusetzen.

So darf die Androhung des saarländischen Ministerpräsidenten, dass er sich vorstellen könne, Lockerungen „nachzuschärfen“, als überzogen bezeichnet werden. So sagte Hans wörtlich: „Steigende Infektionszahlen können nicht weitere Lockerungen bedeuten! Priorität hat die Aufrechterhaltung dessen, was wir aktuell haben. Es geht uns darum, einen weiteren Lockdown zu vermeiden – dazu zählt auch die Gastronomie. Dass Kontaktformulare Lücken haben und Regeln nicht eingehalten werden, kann nicht sein! Ich kann mir vorstellen, dass wir bei den bestehenden Regeln auch nochmal nachschärfen müssen. Erstmal müssen aber die Regeln, die wir haben, eingehalten werden. Daher werden Ordnungsämter und Polizei in Zukunft verstärkt stichprobenartige Kontrollen durchführen.

Zuvor lagen die täglichen Infektionszahlen seit 10.08. nie über 20 Neuinfektionen am Tag. In den Tagen nach der Androhung sanken die Zahlen teilweise auf weniger als 10.

Nicht verschwiegen werden darf hierbei, dass zu dieser Zeit zahlreiche Reiserückkehrer ins Land zurückkamen und diese, sukzessive durchgetestet wurden. Man könnte es auch ein „Massenscreening von Urlaubern“ nennen. Dass in solchen Testverfahren mehr positive Ergebnisse möglich sind, war abzusehen.

Am 20.08. wurde der Stufenplan für Events ausgesetzt. Am 25.08. meldete sich der MP erneut zu Wort: „Mit Sorge beobachte ich die wieder ansteigenden #Corona-Infektionen in unserem Land. Bei allem Verständnis für private Feiern oder Urlaubsreisen kann ich nur vor einem zu leichtfertigen Verhalten warnen. Gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen #Corona-Entwicklung in D. halte ich das Schaltgespräch der MP´s mit der Kanzlerin am Donnerstag für sehr wichtig. Wir müssen kritisch Bilanz ziehen, wie wirksam unsere Maßnahmen bisher waren und uns über das weitere Vorgehen beraten. Auch über die Frage, ob wir Lockerungen wieder zurücknehmen müssen bzw. Verschärfungen brauchen. Es wäre wünschenswert, wenn Bund und Länder sich dabei auf ein gemeinsames Vorgehen einigen könnten. Das erwarten die Bürger*innen zurecht von uns politisch Verantwortlichen.“

Hier bezog sich der Ministerpräsident auf die Covid-19-Zahlen im Bundesgebiet. Im Saarland gingen diesem Twitter-Tweet 9, 6, 5, 1, 21 und 12 Neuinfektionen pro Tag voraus.

Am 27. August folgte ein weiterer Tweet des MPs: „Beim heutigen Bund-Länder-Gespräch waren sich alle einig: Wir müssen alles tun, um einen weiteren Lockdown zu vermeiden. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss daher mit Geldbußen in Höhe von 50 Euro rechnen. Soweit vermeidbar, sollten Reisen in Risikogebiete unterbleiben.

Urlauber aus Risikogebieten wurden stigmatisiert – unabhängig davon, dass tatsächlich ein Großteil der Neuinfektionen aus „Familienurlauben“ im Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien stammte.

Der letzte Tweet stammt von gestern und lautete: „Der Wunsch nach Normalität und dem gewohnten Leben ist verständlich, nur leider verschwindet Sars-CoV-2 nicht, wenn wir es ignorieren. Corona ist nicht vorbei und es kommt auf jede und jeden Einzelnen an, damit die Situation nicht außer Kontrolle gerät. Solange es kein Mittel dagegen gibt, bleiben die sogenannten AHA-Regeln unser schärfstes Schwert im Kampf gegen die Pandemie.“

Auch hier gilt festzuhalten, dass saarlandweit am 01.09. 5 neue Fälle registriert wurden, am 31.08. zwei, am 30.08. eine, am 29.08. 23 und am 28.08 zwölf neue Infektionen bekannt wurden.

Liebe Leserinnen und Leser, verstehen Sie uns nicht falsch: Halten Sie sich an die bestehenden Regeln, denn, und da hat der Ministerpräsident Recht, dank der „AHA“-Regeln (Abstand – Hygiene – Alltagsmasken) sind unsere Zahlen gut.

Ein „Außer Kontrolle geraten“ ist jedoch weit entfernt.

Die durchschnittlichen Neuinfektionen pro Tag liegt seit Ende Juli bei ca. 12 Neuinfektionen pro Tag. Die Werte bleiben nahezu konstant.

Insbesondere mit Blick auf die vermeintlich „bösen Reiserückkehrer“ ist dies ein positives Zeichen.

Saarlandweit sind derzeit rund 100 Personen „als infiziert“ geführt.

Übrigens: Der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB), Marco Trips, rät zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Corona. „Dieser ganze Alarmismus gefällt mir nicht“, sagte Trips der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Viele seien irgendwie in einer „Weltuntergangsstimmung“ und schimpften und zeigten auf die anderen. „Mit ein bisschen mehr Mit- statt Gegeneinander und einer etwas entspannteren Haltung lässt sich diese Krise meines Erachtens am besten bewältigen.“ So Marco Trips weiter.

Und auch Gesundheitsminister Jens Spahn machte deutlich, dass – mit dem Wissen von heute – zahlreiche Einschränkungen im Lockdown im März nicht notwendig waren und so nicht mehr kommen werden.

Aus diesem Grund plädieren wir auch für weniger Mahnung, Warnung und Fingerheben aus der Politik und für mehr Ruhe in der Sache. Auch dies ist Teil des Weges zurück zur Normalität.