Menschen mit Schutzmaske vor einem Krankenhaus, über dts
Menschen mit Schutzmaske vor einem Krankenhaus, über dts

Corona: Deutsche wollen es „lockerer“

Die deutsche Bevölkerung möchte, anders als zu Beginn der Corona-Krise, lockerere Maßnahmen im Umgang mit „Covid-19“. Dies belegen zwei groß angelegte Studien.

Als die Bundesregierung gemeinsam mit den Landesregierungen die Maßnahmen zur Eingrenzung der Corona-Pandemie beschlossen haben, war die Bereitschaft innerhalb der Bevölkerung zur Umsetzung sehr hoch.

Dies zeigen zwei Studien, über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Spätestens seit Bodo Ramelow (LINKE), seines Zeichens Ministerpräsident von Thüringen, die Debatte über möglichst weitreichende Lockerungen angestoßen hat, zeigt sich ein anderes Bild: Müssen Schulen und Kitas weiter eingeschränkt geöffnet sein? Dürfen Bäder öffnen? Und vor allem: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf unsere Wirtschaft?

Und eine weitere Frage stellt sich: Für wen sprechen die Demonstranten auf den „Hygienedemos“, getrieben von Verschwörungstheoretikern? Für eine kleine Minderheit oder doch für einen großen Teil der Bevölkerung?

Zwei Umfragen geben Aufschluss

Diese Fragen beantworten zwei groß angelegte Studien der Universität Mannheim sowie in einem Gemeinschaftsprojekt de Universität Erfurt, das Robert-Koch-Institut sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, des Science Media Centers, der Yale University und weiteren Einrichtungen.

Jede Woche werden dazu etwa 1000 Personen befragt. Bei manchen Fragestellungen sind es allerdings auch einmal weniger als 200.

Die Ergebnisse knapp zusammengefasst

Die Erfurter Profis berichten, dass innerhalb der Bevölkerung die Risikowahrnehmung aber auch die Akzeptanz der Gegenmaßnahmen seit Beginn der Pandemie gesunken ist.

In jüngster Zeit wurde gehäuft darüber diskutiert, wann beispielsweise Schulen und Kindergärten wieder öffnen sollten.

Auf die Frage, ob die Lockerungen der Anti-Coronamaßnahmen angemessen oder übertrieben sind, zeichnet sich ein gespaltenes Bild.

Waren am 5. Mai bereits 50 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Lockerungen „stark übertrieben“ seien, waren es am 26.05. nur noch 45 Prozent. Aktuell halten rund 36 Prozent der Befragten die Maßnahmen für zu weitgreifend.

Passend zu diesen Ergebnissen zeigt die Befragten, dass bereits Mitte Mai 43 Prozent der Teilnehmer der Meinung waren, die Behörden vermittelten den Eindruck, dass das „Gröbste überstanden“ wäre. Mittlerweile sagen dies bereits 46 Prozent der Befragten.

Damit stehen diese Ergebnisse im kompletten Widerspruch zu den Warnungen der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Zahl derer, die die Maßnahmen als zu weitgreifend halten und deswegen sogar an Demonstrationen teilnehmen würden, steig mittlerweile auf 12 Prozent. Dagegen stehen jedoch 80 Prozent der Befragten, die eine Teilnahme an einer Demonstration ablehnen.

Die Bereitschaft, sich gegen „Covid-19“ impfen zu lassen liegt nur noch bei 61 Prozent der Befragten.

Im April waren es noch 80 Prozent.

Die Studien zeigen weiterhin eine schwindende Akzeptanz zu anderen Maßnahmen. So stieg zwar die Zahl derer, die eine Gesichtsmaske tragen, auf ca. 80 Prozent an, nimmt aber kaum noch zu.

Das Abstandsgebot, das 20 Sekunden Händewaschen und der Verzicht auf private Feiern nimmt leicht ab.

Auch Maßnahmen wie die Schließung von Gemeinschaftseinrichtungen, Versammlungsverbot oder die Einschränkung von Freiheitsrechten finden zwar „überwiegend“ Zustimmung, jedoch, so schlussfolgert die Studie, sinkt die Bereitschaft zur Akzeptanz.

Mannheimer Studie zeigt noch deutlichere Abnahme

Die Studie der Mannheimer Universität zeigen hingegen noch deutlicher, wie sehr bestimmte Maßnahmen nicht mehr befürwortet werden, schreibt die Süddeutsche Zeitung weiter.

Eine deutliche Mehrheit wolle zwar weiterhin, dass Veranstaltungen ab 100 Personen verboten bleiben, aber auch mehr als zehn Prozent der Befragten wollen gar keine Maßnahmen mehr einhalten. Die Schließung von öffentlichen Einrichtungen befürwortet nicht einmal mehr ein Drittel der Befragten – vorher lag die Zustimmung bei 96 Prozent.

Auch die Akzeptanz der Ausgangsbeschränkungen sank von fast 60 Prozent Mitte März auf nun ca. 5 Prozent.

Grenzschließungen halten mittlerweile weniger als 50 Prozent für angemessen, auch hier lag nach der Studie der Anfangswert bei über 90 Prozent.

Weshalb verändert sich die Akzeptanz?

Auch auf die Frage, weshalb die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung sinke, geben beide Studien Antworten.

So habe sich die Risikowahrnehmung verändert. War das Virus Ende März noch für 60 Prozent angsteinflößend, sank dieser Wert nun auf ca. 44 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Befragten hält das Virus für immer noch „besorgniserregend“, Ende März waren es hingegen noch drei Viertel der Befragten.

Insbesondere die subjektive Einschätzung des Ansteckungsrisikos sank in den letzten vier Wochen signifikant von fast 20 Prozent auf nunmehr weniger als fünf.

Durch die neue, subjektive Risikobewertung der Befragten sank auch die Bereitschaft zu Social Distancing.

Final lässt sich festhalten, dass die Angst um die Gesundheit abnimmt, während die Sorgen um die Wirtschaftskraft und die soziale Ungleichheit relativ hoch bleibt. Gerade die Sorge um kleine Unternehmen nimmt zu. Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz oder die eigenen Finanzen hingegen machen sich die deutschen verhältnismäßig wenig, schlussfolgert die Studie.

Weitere Details zur Studie finden sie hier