AKK: Knallhart-Ansage an Journalisten als Antwort auf seinen „armselig“-Kommentar

Wer sich am Sonntagabend Die Politdebatte bei „Anne Will“ in der ARD angeschaut hat, durfte eine Annegret Kramp-Karrenbauer erleben, wie man sie selten gesehen hat. Als der Journalist Gabor Steingart einen weiteren Angriff auf „das Saarland“ fährt und die finanzielle Situation als „armselig“ bezeichnete, platzte Kramp-Karrenbauer regelrecht der Kragen.

Was war der Grund dieses emotionalen Ausbruchs der neuen CDU-Chefin? Vorab muss man wissen, dass der Journalist/Publizist Gabor Steingart bereits vor einigen Tagen in der TV-Sendung „Maischberger“ das Saarland hart kritisierte. Das Ministerpräsidentenamt im Saarland „gleicht einem besseren Bürgermeisteramt“, sagte er dort.

Bei Anne Will schoss er dieses Mal noch größere Geschosse ab. Die Aussage, dass das Saarland bei der Verschuldung „direkt hinter den Stadtstaaten liegen würde und das Bruttosozialprodukt armselig sei.“, brachte „AKK“ in Rage. Die Saarländerin wollte diese Aussagen nicht auf sich, „ihrem“ Saarland und vor allem nicht auf „den Saarländern“ sitzen lassen.

Kramp-Karrenbauer beugte sich nach vorne und zerlegte Gabor Steingart in einer rhetorisch beachtlichen Art und Weise.

„AKK“ führte Steingart regelrecht vor: Steingart sei völlig kenntnisfrei und sie empfinde dieses Gerade den Saarländern gegenüber „höchst despektierlich“. Kramp-Karrenbauer zählte den Strukturwandel, den Kohleausstieg und den damit verbundenen beinharten Sparkurs auf.

Gleichzeitig hob Sie die Erfolge der letzten Jahre hervor: Das Helmholtz-Zentrum in Saarbrücken, eine der besten Universitäten des Landes, die Bilinguale Ausbildung oder den aktuell ausgeglichenen Haushalt sowie den Schuldenabbau.

Sie schloss ihr flammendes Plädoyer mit den Worten: „Das lasse ich mir hier von Ihnen nicht kaputtreden, egal ob Sie Wirtschaftsjournalist sind oder nicht!“.

Hier das Video von Kramp-Karrenbauers flammendem Appell an das Saarland

Bitte aktzeptieren Sie Youtube-Cookies. Um Videos anschauen zu können, werden Daten von externen Youtube-Servern geladen und es besteht die Möglichkeit, dass Daten von Ihnen zu Youtube übertragen werden.

YouTube Datenschutzbestimmungen

Nach dem aktzeptieren werden die Youtube-Videos angezeigt.

Martin Schulz (SPD) sprang ihr danach zur Seite und erwähnte, dass bis 1957 das Saarland nicht einmal Teil der Bundesrepublik Deutschland war.

Generell erlebte der Zuschauer eine aufgeräumte, angriffslustige und frische CDU-Chefin.

So sagte sie z.B. „Die Art und Weise, wie hier heute gesprochen wurde begleitet mich schon mein ganzes Leben lang.“ Männliche Kollegen seien nie gefragt worden, „wie sie das mit den Kindern machen“. Sie bezeichnete einige Aussagen der männlichen Kollegen als „misogynen Mist“.

Sie schloss dieses Thema mit den Worten: „Als ob man als Frau eine bemitleidende Minderheit wäre! Wir sind mehr als die Hälfte dieser Bevölkerung, das will ich hier einmal sagen!“.

Anmerkung der Redaktion

Wir bewerteten in diesem Artikel nicht die „Faktenlage“, sondern die Emotionalität der neuen CDU-Chefin.

Das Bruttoinlandsprodukt des Saarlandes lag 2017 bei 35.300 Millionen Euro – der vorletzte Platz im Bundesvergleich. Das Wachstum lag mit 1,2 Prozent ebenfalls auf dem vorletzten Platz im Bundesvergleich. Beim Bruttoinlandsprodukt „pro Kopf“ lag das Saarland hingegen auf Platz 9 im Bundesvergleich.

Schaut man sich die historische Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts an und zieht die Daten von 1991 bis 2016 zu Rate, erkennt man, dass das Saarland das geringste Wachstum aller Bundesländer aufweist.

Demnach ist die grundsätzliche Kritik nicht unbegründet. Dennoch müssen in solchen Debatten auch der Struktur- und demographische Wandel in Betracht gezogen werden. Insbesondere der Kohleausstieg war für die saarländische Wirtschaft ein harter Schlag. Wurden in den 50er Jahren jährlich regelmäßig mehr als 16 Millionen Tonnen Kohle gefördert, lag die Kohleförderung kurz nach der Jahrtausendwende nur noch bei 5 bis 6 Millionen Tonnen pro Jahr.

Gleichzeitig hat sich die Zahl der Industriebeschäftigen seit den 60er Jahren fast halbiert. (von 175.000 Beschäftigten 1960 zu knapp 90.000 im Jahr 2016). Projekte wie die Völklinger Fischzucht, der vierte Pavillon oder das HTW-Gebäude sollten in der Bewertung der saarländischen Wirtschaft und Arbeit der Landesregierung nicht ungenannt bleiben. All diese Projekte fallen unter die Regierungszeit von Kramp-Karrenbauer. Eine genaue Bewertung dieser Fälle würde jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Eine positive Entwicklung zum Abschluss zeigt sich im Gastgewerbe: Der Tourismus zog die letzten Jahre immer weiter an.

Weitere Artikel

X
Regio-Journal

Kostenfrei
Ansehen